23.02.2012
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Produkte zur privaten Pensionsvorsorge

Viel war in den letzten Jahren die Rede von finanzieller Absicherung im Alter. Kann das staatliche Pensionssystem das noch leisten? Ist private Vorsorge ein Muss? Zahlreiche private Vorsorgeprodukte werden massiv beworben und teilweise staatlich gefördert. Aber: Profitiert haben bei dieser sog. dritten Säule bisher die Versicherer und nicht die Versicherten.

Im Auftrag der Arbeiterkammer Tirol wurden im Rahmen einer vom VKI durchgeführten großen Studie die für Verbraucher wesentlichen Produktkategorien bei privaten Vorsorgeprodukten genauestens unter die Lupe genommen und dabei die Angebots- und Beratungssituation durchleuchtet.

AK Präsident Erwin Zangerl: Die Studie hat gezeigt, dass sich unsere Vorbehalte gegenüber privaten Pensionsvorsorgeprodukten leider bewahrheitet haben. In Wirklichkeit haben daran einige private Anbieter massiv verdient. Es wurde den Arbeitnehmern permanent eingeredet, dass das staatliche Pensionssystem nicht ausreicht und private Zusatzpensionen als dritte Säule nötig sind. Das Fazit der Studie: Profitiert haben die Versicherer und nicht die Versicherten. Die derzeit am Markt befindlichen privaten Zusatzprodukte sind ungeeignet. Und der Gipfel der Ungerechtigkeit: Nachdem allen Bürgern die private Pensionsvorsorge eingeredet wurde, will die Regierung jetzt die staatlichen Prämien bei bestimmten Vorsorgeprodukten selbst bei laufenden Verträgen um die Hälfte bereits ab heuer überfallsartig kürzen. Damit werden normal verdienende Arbeitnehmer, die einen Bausparvertrag abgeschlossen haben oder für eine private Pensionsvorsorge sparen, durch das Sparpaket summenmäßig stärker belastet, als Spitzenverdiener mit einem Jahreseinkommen von mehr 185.000 Euro durch die Solidarabgabe!“

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie


Alle Produktkategorien mit großen Schwächen

Transparent, flexibel oder kostengünstig sind die untersuchten Produktgruppen und Tarife allesamt nicht. Entweder es krankt am Produktmodell selbst und/oder die Tarife der Anbieter sind so gestaltet, dass am Ende der Laufzeit kaum von einer sinnvollen Altersvorsorge gesprochen werden kann. Die nackten Zahlen zeigen, dass ein Kaufkraftverlust (dessen Verhinderung die oberste Prämisse eines jeden Altersvorsorgeproduktes ist) mit diesen Produkten kaum zu vermeiden ist. Interessant ist auch die Tatsache, dass kaum Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern innerhalb der einzelnen Produktgruppen erkennbar sind. Sowohl bei der Höhe der Kosten als auch im Bereich Transparenz und Flexibilität sticht kein Anbieter positiv hervor.

Mangelhafte Bedarfsanalyse

Auffällig ist, dass nur in 16 von 40 Fällen nach schon bestehenden Vorsorgeprodukten gefragt wurde. Auch die Frage nach der Leistbarkeit der Prämie für das jeweilige Vorsorgeprodukt wurde nur in 16 von 40 Fällen gestellt. Berater haben sich in 60 Prozent der Fälle nicht erkundigt, ob die in der Beratung angesprochene Prämienhöhe für den Verbraucher überhaupt leistbar ist.

Angaben zu den Kosten äußerst mangelhaft

Verbraucher werden darüber im Dunklen gelassen, welcher Anteil der von ihnen einbezahlten Prämien tatsächlich veranlagt wird und welcher an Kosten abgezogen wird.

Staatliches Pensionssystem wird krankgeredet

In der Werbung, in den Beratungsgesprächen, überall wo Anbieter von Produkten der privaten Pensionsvorsorge involviert sind, hört man, dass das staatliche System unfinanzierbar ist und somit nur noch private Vorsorge hilft. Analysiert man allerdings die Produkte der dritten Säule, also der privaten Vorsorge, kommt man zu dem Schluss, dass hier grundlegende Veränderungen nötig sind – denn bisher konnte und kann man sich auf diese Vorsorge nicht verlassen.

Staatliche Förderung im Vergleich zu den Abschlusskosten

Vergleicht man die bisher geleisteten staatlichen Förderungen, die im Bereich von 8,5 bis 9,5 Prozent der Einzahlungen lagen, mit den bisher verrechneten Abschlusskosten, kommt man zu einem verblüffenden Ergebnis. Die bisher vom Staat ausbezahlten Förderungen liegen im Bereich von etwa 600 Millionen Euro. Geht man von einer durchschnittlichen Jahresprämie von 700 Euro und einer durchschnittlichen Laufzeit von 25 Jahren aus, ergeben sich daraus Abschlusskosten von insgesamt 1,1 Milliarden Euro. Angenommen wurde hier ein Prozentsatz für die Abschlusskosten von 4 Prozent der Prämiensumme, eine Verteilung wurde nicht berücksichtigt.

Es gibt Alternativen


Freiwillige Höherversicherung

Das Vertrauen in kapitelgedeckte Vorsorgeprodukte ist in den letzten Jahren stark gesunken. Als Alternative dazu bietet sich eine freiwillige Höherversicherung in der staatlichen Pensionsversicherung an. Dadurch ergibt sich später eine höhere Pensionsleistung. Die Rahmenbedingungen sind unkompliziert, denn Dauer und Höhe der Einzahlungen sind frei wählbar. Die Renditen liegen aktuell über jenen der privaten Pensionsmodelle, vor allem der garantierten Werte.

„Pensionsschätze“

Eine weitere Alternative sind Bundesschätze. Mit einigen Anpassungen ließen sich die Bundesschätze auf ein absolut zuverlässiges, leicht durchschaubares Pensionsvorsorgeprodukt hin trimmen. Die Infrastruktur mit Homepage, Hotline und Mitarbeitern ist bereits vorhanden. Die Netto-Renditen der Bundesschätze liegen derzeit bei rund drei Prozent für lange Laufzeiten, welche mit staatlicher Förderung noch höher ausfallen würden. Flexible Einzahlungsmöglichkeiten und insgesamt möglichst einfache Bedingungen würden Kosten sparen und das Produkt für jeden durchschaubar machen. Im Gegensatz zu den bestehenden Produkten gibt es klare Vorteile: keine Kosten bei hoher Transparenz und Flexibilität.

Resümee

Zusammenfassend kann folgendes festgehalten werden: Würden die Versicherer sowohl vor und bei Abschluss als auch während der Vertragslaufzeit ihre Kunden über alle Details aufklären, würde erstens die Stornoquote sinken und zweitens die Kundenzufriedenheit steigen. Dies wäre relativ leicht zu erreichen, indem man folgende Informationen gibt:

  • Klare, verständliche und vor allem realistische und wahre Angaben in den Angeboten: derzeit sind die Informationen zu rechtslastig beziehungsweise zu juristisch – besser wären Kennzahlen, jeweils für Kosten, für die Rendite, beziehungsweise für das Risiko.
  • Aufgliederung der Prämien in Risiko-, Spar- und Kostenanteil in den Angeboten beziehungsweise Polizzen.
  • Informative, d.h. alle wichtige Vertragsdetails beinhaltende Jahresmitteilungen beziehungsweise Endabrechnungen.

Solange dies nicht gewährleistet ist und auch in den Beratungsgesprächen nicht verdeutlicht wird, ist jedenfalls davon abzuraten, eine Lebensversicherung, in welcher Form auch immer, abzuschließen. Wer kauft schon gern ein Produkt, bei dem man nicht weiß, was drin ist beziehungsweise wie man dran ist.

Forderungen – „Zurück an den Start“


Neue, bessere Produkte

Die gesamte Untersuchung zeigt auf, dass die derzeit angebotenen Produkte aber auch das bestehende System der privaten Vorsorge an sich zu viele Schwächen aufweist. Somit kann das Motto nur lauten „Zurück an den Start“ und völlig neue Produkte kreieren. Denn es kann nicht sein, dass Anbieter und Vermittler ständig auf die erste Säule, also das gesetzliche Pensionssystem, einprügeln, gleichzeitig allerdings in der dritten Säule Produkte mit derart gravierenden Mängeln anbieten.

Bedarfsorientierter Verkauf

Auch der Vermittlermarkt muss grundsätzlich umdenken. Der derzeitige Status sieht eher so aus, dass der Verkauf im Vordergrund steht und nicht die Beratung oder die dauerhafte Begleitung der Vorsorgewilligen. Die Vertriebszahlen sprechen eine deutliche Sprache. Mehr als die Hälfte aller Lebensversicherungsverträge wird bereits über den Bankschalter verkauft. Aber nicht nur die Banken sind gefordert, vor allem die unabhängigen Vertriebswege müssen mehr Initiative zeigen und die Produkte mitgestalten. Das heißt es liegt an allen Vertriebswegen, hier einzugreifen. Am besten in dem mitgeholfen wird, das Produkt Lebensversicherung und die Altersvorsorge als solche zu optimieren und kostengünstiger zu gestalten.

Gesetzesänderungen bei prämienbegünstigter Zukunftsvorsorge

Wie die Ausführungen und die Erfahrungen zum Produkt prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge zeigen, scheint eine gesetzliche Änderung das geeignetste Mittel zu sein, die private Altersvorsorge in Österreich auf neue Beine zu stellen. Man müsste nur an einigen kleinen Stellschrauben drehen und hätte dadurch ein wirklich für fast alle Vorsorgewilligen ideales und einfaches Produkt. Mittlerweile sieht das auch die Versicherungswirtschaft so. In einer Aussendung des Versicherungs-
verbandes vom 4. April 2011 heißt es beispielsweise: „Die heimische Versicherungswirtschaft plädiert für eine Gesetzesänderung, die Konsumenten bei der prämiengeförderten Zukunftsvorsorge die Möglichkeit einer garantierten Mindestverzinsung und einer verbindlichen Rentenhöhe bieten könnte. Durch die jetzige Regelung in §108 EStG sei dies ausgeschlossen. Eine Lösung wäre technisch einfach. Bei einer solchen Lösung müsste man freilich eine Aktien-Quote wie bei einer konventionellen Lebensversicherung vorgeben, also nicht mehr als 5 Prozent Investment für einen einzigen Börsenplatz vorsehen – derzeit sind es 30 Prozent. Eine Umstellung des Modells wäre technisch gar nicht so aufwändig. Die Neuerung würde sich an der schon jetzt zu Laufzeitende der Zukunftsvorsorge erfolgenden Übertragung auf eine Pensionszusatzversicherung orientieren. Würde man die nämlich schon für die Ansparphase mit Förderung öffnen, dann hätte man eine garantierte Mindestverzinsung und eine verbindliche Rente.“

Im Klartext heißt das, dass nun auch die österreichische Versicherungswirtschaft die Forderungen nach Senkung der Mindestaktienquote und Ausweitung der Veranlagungsmöglichkeiten (nicht nur Wiener Börse) mitträgt und eine derartige Umstellung leicht möglich wäre. Nur die Mindestquote zu senken, wie es die Versicherungswirtschaft vorschlägt, darf aber nicht der letzte beziehungsweise einzige Schritt sein. Im Detail muss folgendes berücksichtigt werden:

  • keine verbindliche Mindest-Aktienquote
  • Veranlagungsbeschränkung aufheben (andere Börsenplätze erlauben)
  • Deckelung der Kosten (massive Kostensenkung)
  • keine versteckten Kosten mehr, d.h. volle Kostentransparenz
  • Kick-backs müssen dem Fondsvermögen zugeschlagen werden
  • Kündigung muss im Notfall möglich sein
  • Garantiemodelle müssen möglichst einfach und verständlich sein
  • Garantiegeber müssen Restrisiko eingehen, anstatt Risiko zu vermeiden

Das Motto sollte lauten: einheitliche Voraussetzungen für Fondsmanager, mit dem Ergebnis, dass sich der Wettbewerb nur noch im Bereich Performance/Rendite abspielt – sozusagen „die Einheitsklasse für Fondsmanager“. Im Endeffekt hat man dann eine „klassische Lebensversicherung mit staatlicher Förderung“ und das bei moderaten Kosten und völliger Transparenz.

Produktinformationsblatt

Ein zweiseitiger „Beipackzettel“ soll über alle Vor- und Nachteile sowie die grundlegenden Vertragsdetails informieren. Dazu gehören vor allem auch Angaben zu den gesamten Kosten, aber auch alle Nach- und Vorteile des Produktes.

Laufende Informationen

Die Wertstandmitteilungen, die jährlich an die Versicherungsnehmer versendet werden, müssen drastisch verbessert werden. Die Verbraucher erhalten derzeit fast ausschließlich Informationen über den Stand der Gewinnbeteiligung, d.h. den aktuellen Wert der Veranlagung. Zumindest eine Erklärung über das Zustandekommen dieses Wertes, die Summe der bisherigen Einzahlungen und die voraussichtliche weitere Entwicklung müssen mitgeteilt werden.

Vergütungssystem verändern

Lebensversicherungen in der jetzigen Form schaffen zu viele Anreize für den Vertrieb, diese zu häufig und damit oft der falschen Zielgruppe zu verkaufen. Der Anreiz für Vermittler ist groß, sich von einem Neugeschäft zum nächsten treiben zu lassen. Außerdem wird so mancher Vermittler darauf abzielen, hohe Erstprämien und lange Laufzeiten anzubieten – das steigert erstens die Provision und zweitens den Umsatz des Versicherers – und auf die regelmäßigen Betreuung des Kunden zu verzichten. Der Anreiz, Kunden langfristig zu betreuen ist also gering. Schnelles Geld verdienen steht im Vordergrund und der Anreiz, Kunden mit bestehenden Verträgen abzuwerben ist ebenfalls sehr groß, da für einen Neuabschluss wieder volle Provisionen fließen.

Das System der „Zillmerung“ scheint also nicht mehr zeitgemäß und sollte aufgrund der oben genannten Probleme und dem Umstand, dass sich Konsumenten flexiblere Produkte wünschen (flexible Prämienzahlung, Teilauszahlungen, flexible Zuzahlungen, flexible Laufzeiten), überdacht werden. Eine flexible Prämie und Laufzeit kann nur über eine ungezillmerte Vergütung funktionieren. Dies würde vor allem verantwortungsvolle Versicherungsvermittler und Finanzdienstleister bevorzugen, bei welchen Best Advice und langfristige Kundenbetreuung – und nicht die Provisionshöhe – im Vordergrund stehen. Flexiblere und transparentere Produkte würden auch dazu führen, dass die Stornoquote in der Lebensversicherung sinken würde – zum Vorteil aller.

Kostentransparenz sicherstellen

Kostentransparenz stellt einerseits sicher, dass eine Vergleichbarkeit gegeben ist. Andererseits führt eine Offenlegung dazu, dass ein Wettbewerb unter den Anbietern einsetzt, der dazu führen sollte, dass eine Kostensenkung stattfindet. Eine Kostenkennzahl im Bereich Lebensversicherung wäre wünschenswert. Eine Offenlegung der Provisionen allein bringt wohl nicht das erwartete Ergebnis, sondern ist nur die halbe Wahrheit.

Laufende Betreuung

Laufende, regelmäßige Betreuung der Vorsorgenden durch den Vermittler ist unumgänglich. Da sich die Lebensumstände ständig verändern, muss auch immer wieder nachjustiert werden. Einen Vertrag abzuschließen und diesem über die gesamte Laufzeit keine Beachtung mehr zu schenken, ist nicht zeitgemäß und führt fast immer zu großer Unzufriedenheit am Ende der Laufzeit. Zur laufenden Betreuung gehört auch eine bessere Schulung der Vermittler und präzise, verständliche und vor allem ehrliche Verkaufsunterlagen und informative laufende Informationen zu den Produkten.

Recht auf Informationen zur Veranlagung

Es muss selbstverständlich sein, dass Konsumenten dahingehend aufgeklärt und informiert werden, wie das eingesetzte Kapital tatsächlich veranlagt wird. Vor allem der Deckungsstock in der klassischen Lebensversicherung birgt viele Rätsel und die Konsumenten erfahren nicht, welche Veranlagungsstrategien tatsächlich verfolgt werden.

Kundenfreundlichere Mindeststandards

Unter anderem am Beispiel „Effektivzinssatz“ zeigt sich, dass die Mindeststandards für die Informationspflichten in der Lebensversicherung noch nicht optimal sind. Nur sehr wenige Konsumenten wissen, dass es diese Mindeststandards gibt. Am Beispiel des Effektivzinssatzes zeigt sich deutlich, dass ein Bekanntgeben nur auf Nachfrage bei weitem nicht ausreicht.

Korrekte Verwendung der Begriffe

Bezeichnungen wie Garantiezins, Gesamtverzinsung, Sparanteil & Co. müssen klar und korrekt verwendet werden. Auch aus den Produktbezeichnungen muss abzuleiten sein, um welche Kategorie es sich tatsächlich handelt.

Indexklauseln müssen flexibler gestaltbar sein

Diese Klauseln führen oftmals zu dramatischen Erhöhungen, die sich die Versicherten nicht mehr leisten können. Auch führt die Fixkostenprogression (Miete, etc.) dazu, dass die Erhöhungen nicht mehr leistbar sind.

Studie_zur_Pensionsvorsorge.pdf
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