Lehrling mit Tablett beim Servieren © Pavel Losevsky/stock.adobe.com
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So sehen junge Tiroler ihre Ausbildung und Arbeit im Tourismus

Nur für rund 50 Prozent der Befragten war die Ausbildung im Tourismus auch die Wunschausbildung. Von der Realität werden viele Lehrlinge, Schülerinnen und Schüler dann während Lehrzeit und Pflichtpraktikum eingeholt. Warum sich viele danach für eine andere berufliche Tätigkeit entscheiden, war u. a. Gegenstand einer Studie des Österreichischen Instituts für Berufsbildungsforschung im Auftrag der AK Tirol.

Tourismus in Tirol: Das sind nicht nur Bilder aus Hochglanzprospekten, mit denen Gäste umworben werden. Es braucht auch Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, damit die Dienstleistungen erbracht werden können. Während aber die Branche seit Jahren über einen akuten Fachkräftemangel klagt, werden als Gründe vor allem die Rahmenbedingungen genannt, die Hotels und Restaurants als Arbeitsplatz wenig attraktiv machen, gerade auch für Jugendliche.

„Obwohl das Bewusstsein in der Branche in den letzten Jahren gestiegen ist, sind Arbeitszeit inklusive unbezahlter Überstunden, die Ausbildung oder Wertschätzung und Kommunikation im Betrieb Dauerbrenner bei den Beschwerden in der AK Jugendabteilung“, berichtet AK Präsident Erwin Zangerl. Hinzu kommt, dass z. B. 26 Prozent der Kochlehrlinge die Lehrabschlussprüfung nicht bestehen, was wiederum Anlass sein muss, die Qualität der Ausbildung zu hinterfragen.

AK Studie

Vor diesem Hintergrund beauftragte die AK Tirol das Österreichische Institut für Berufsbildungsforschung mit der Studie „Ausbildung und Branchenerfahrung im Tiroler Tourismus aus Sicht junger Erwachsener“. Dazu befragten die Studienautoren 307 Tiroler Lehrlinge sowie Schülerinnen und Schüler im letzten Ausbildungsjahr und gingen fünf zentralen Fragen nach:

  • Aus welchen Gründen wird eine Berufswahlentscheidung im Bereich Tourismus und Gastronomie getroffen?
  • Wie wird die Ausbildung erlebt und bewertet?
  • Welche beruflichen Perspektiven sehen die Jugendlichen für sich?
  • Was macht die Aussicht auf eine Tätigkeit im erlernten Beruf attraktiv?
  • Welche Gründe sind für eine allfällige Abwendung von der Berufswahl verantwortlich?

offen gesagt

„Obwohl das Bewusstsein in der Branche in den letzten Jahren gestiegen ist, sind Arbeitszeit inklusive unbezahlter Überstunden, die Ausbildung oder Wertschätzung und Kommunikation im Betrieb Dauerbrenner bei den Beschwerden in der AK Jugendabteilung.“

Erwin Zangerl,
AK Präsident

 die ergebnisse

Die Wunschausbildung

Für etwa die Hälfte der Tiroler Schülerinnen und Schüler ist die Ausbildung in (sehr) hohem Maße auch die Wunschausbildung. Bei den Lehrlingen sagen sogar 57 Prozent, dass sie ihren Berufswunsch (sehr) verwirklichen konnten. Andererseits gaben aber rund 20 % aller Befragten an, dass sie diese Ausbildung (gar) nicht machen wollten.

Die Realität

Ein bemerkenswertes Ergebnis der Studie ist, dass die Jugendlichen die Betreuung im Rahmen ihrer betrieblichen Praxis höchst unterschiedlich empfinden, je nachdem ob sie Lehrlinge sind oder Praktikanten. Sämtliche Fragen zur Arbeitszeit (Lage, Umfang, Plan), zur Wertschätzung der Arbeitsleistungen durch die Vorgesetzten, zum Führungsstil oder zur Betreuung durch die Ausbildungsverantwortlichen werden von Schülerinnen und Schülern deutlich positiver beantwortet als von Lehrlingen.

So gibt nur etwa die Hälfte der Lehrlinge an, dass die Aufgaben und Tätigkeiten (eher) gut erklärt werden, und dass sie sich von ihren Ausbildern (eher) gut unterstützt fühlen. 4 von 10 sagen, dass die Tätigkeiten (eher) gut den Ausbildungszielen im Berufsbild entsprechen.

Die Angaben der BMHS-Schüler hingegen bestätigen, dass sie bei Pflichtpraktika auch einen fundierten Einblick erhalten und somit das zentrale Ziel erreicht wird. Die Mehrheit fühlt sich in den Praktikumsbetrieben sehr gut unterstützt und gibt an, dass sie die Möglichkeit hatten, schulische Inhalte umzusetzen.

Seitens der Studienautoren wird dies dahingehend interpretiert, dass betriebliche Praktika als Rekrutierungsinstrument zur Deckung des künftigen Fachkräftebedarfs verwendet werden. Das würde erklären, warum Praktikanten gut behandelt und sorgsam umworben werden. Lehrlinge hingegen sind bereits im Betrieb integriert und können entsprechend produktiv verwendet werden.

Und was ist nach der Ausbildung?

 Im 2. Lehrlingsmonitor, der ebenfalls in die Studie Eingang fand, gaben in Tirol etwas mehr als 4 von 10 Jugendlichen an, dass sie nach der Ausbildung einen Berufswechsel anstreben. Als Gründe sagten 57 %, dass sie etwas Neues probieren möchten, 40 % nannten die schlechten Rahmenbedingungen wie Arbeitszeit, Sonntagsarbeit etc., 26 %, dass ihnen der Betrieb die Freude am Beruf nahm, jeweils 24 %, dass sie der Beruf nicht mehr interessiert, und dass sie zu wenig verdienen werden (Mehrfachnennungen möglich).

Analog dazu wurde auch in der Tiroler Tourismusbefragung mit geänderter Fragestellung eruiert, ob die Jugendlichen weiter in diesem Bereich arbeiten möchten: Gut zwei Drittel der Lehrlinge planen dies (eher), aber nur die Hälfte der BMS-Schüler und weniger als die Hälfte der BHS-Schüler.

Nur ein Drittel der Schüler gibt an, dass sie die Praktikumserfahrung darin (eher) bestärkt hat, nach Ende der Ausbildung einen Beruf im Bereich Gastronomie und Tourismus auszuüben. Mehr noch: 38 Prozent der BHS-Schüler und 46 Prozent der BMS-Schüler bestärkte die Praktikumserfahrung (eher), nach ihrer Ausbildung nicht weiter in diesem Berufsbereich zu bleiben.

Für BMHS-Schüler ist vor allem eine weiterführende Ausbildung der zentrale Grund, warum eine unmittelbare Berufsausübung nicht geplant ist. Wobei BMS-Schüler eher eine weiterführende Ausbildung in der Branche anstreben, BHS-Schüler jedoch eher außerhalb der Branche.

Empfehlungen

Folgende Maßnahmen könnten laut Studienautoren dazu beitragen, Berufe im Bereich Gastronomie und Hotellerie attraktiver zu gestalten: interessante und abwechslungsreiche Aufgaben, hohe Qualität des Lernens, reflexive Elemente der Ausbildung, faire und längerfristig vorrausschauende Planung der Arbeitszeiten, Reduktion des Arbeitsvolumens und respektvoller Umgang sowie Anerkennung der Arbeitsleistung.

zur studie

Basis der Studie waren eine Online-Erhebung zwischen Februar und Juli 2019 unter 307 Lehrlingen, Schülerinnen und Schülern von Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen sowie Aufbaulehrgängen, die alle das letzte Ausbildungsjahr absolvierten, und eine Sekundäranalyse des 2. Österreichischen Lehrlingsmonitors (n=6.024) mit Fokus auf Lehrlinge im Bereich Tourismus und Gastronomie in Tirol (n=103).

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