Floristin beim Binden eines Blumenstraußes © Alexander Tarassov/stock.adobe.com
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5.6.2019

Floristenlehre: Ende einer blühenden Branche?

Ein Einkauf im Supermarkt und der eigene Brautstrauß landet im Einkaufswagen? So skurril das auch klingen mag, Szenarien, in denen Schnitt- und Topfblumen nur noch beim Discounter oder an der Tankstelle erhältlich sind, sind gar nicht so abwegig. Aktuell verdienen Floristinnen und Floristen in Österreich so wenig, dass sie mit ihrem Gehalt gerade noch so über die Runden kommen. Da der Verdienst jedoch gerade in Tirol, wo Wohn- und Lebenshaltungskosten extrem hoch sind, eine wesentliche Rolle spielt, ist es für Floristen kaum noch möglich, sich eine Existenz aufzubauen. Deshalb sind sich Tiroler Floristenlehrlinge einig: Nur höhere Löhne können ihr Handwerk jetzt noch retten.

Geringer Verdienst. 

Sie habe von Anfang an gewusst, dass sie als Floristin nicht viel verdienen würde, erklärt Isabelle (Name geändert). Abgeschreckt habe sie das nicht. Isabelle ist jedoch eine Ausnahme. Viele Jugendliche ziehen die Floristenlehre aufgrund der schlechten Bezahlung erst gar nicht in Betracht: 460 Euro brutto verdient man laut Kollektivvertrag im ersten Lehrjahr und 1.380 Euro brutto im ersten Berufsjahr. Nach Abzug der Miete bleibt kaum etwas zum Leben übrig, geschweige denn für unvorhergesehene Ausgaben oder gar Freizeitvergnügungen. Interne Berechnungen der Tiroler Floristenlehrlinge zeigen, dass sie nach abgeschlossener Ausbildung jeden Monat ungefähr 430 Euro mehr ausgeben werden, als sie verdienen. Deshalb verwundert es auch nicht, dass nur 4,7 % der Floristen-Lehrlinge in Österreich männlich sind. Ohne finanzielle Unterstützung von Eltern oder Partner oder einem Nebenjob kommen viele auf Dauer nicht aus. Sogar eine berufliche Neuorientierung ist in manchen Fällen unvermeidbar. 

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AK für Mindestlohn

„Es kann nicht sein, dass wir in einem reichen Land wie Österreich junge, motivierte und fleißige Menschen zu Working Poor ausbilden. Wie desillusionierend ist es, einen Beruf auszuüben, der einem Spaß macht und man trotz Vollzeitarbeit nicht über die Runden kommt? Was vermitteln wir damit jungen Menschen über den Wert von Arbeit? Wir brauchen ordentliche Löhne und ordentliche Bedingungen für junge Menschen, ansonsten wird der Facharbeitermangel nur noch größer werden und einige Lehrberufe werden überhaupt aussterben“, sagt AK Präsident Erwin Zangerl, dem die Lehrlinge ihre schwierige Situation schilderten.
Die AK fordert schon seit langem einen Brutto-Mindestlohn von 1.700 Euro. „Überall wird nur von Fleiß und Leistung gesprochen. Davon, was Lehrlinge bzw. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verdienen, hört man weniger. Wer arbeitet, muss so viel verdienen, dass er nicht am Existenzminimum leben muss und Unvorhergesehenes, wie etwa eine kaputte Waschmaschine, nicht zum finanziellen Dilemma wird“, so der Tiroler AK Präsident.
Neben der oft fehlenden Wertschätzung für ihre Tätigkeit leiden Floristen-Lehrlinge auch unter ihrem Image. „Ich habe mich nicht für eine Lehre entschieden, weil ich zu dumm für die Schule war. Mit diesem Vorurteil werde ich aber tagtäglich konfrontiert. Und da bin ich nicht die Einzige. Die Leute verstehen einfach nicht, dass wir Floristen werden wollen, weil uns diese Arbeit Spaß macht“, erklärt Isabelle.
Damit motivierte , junge Menschen wie Isabelle auch in Zukunft ihrem Traumberuf nachgehen können, braucht es allem voran höhere Löhne. Bleibt jedoch alles beim Alten, werden in Zukunft Brautsträuße wirklich öfter beim Discounter oder an der Tankstelle als bei Floristen gekauft.

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