1.6.2017
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Nachhilfe kommt Tiroler Eltern mit 6,4 Millionen Euro im laufenden Schuljahr wieder teuer zu stehen

Das Thema Nachhilfe bleibt ein heißes Eisen. Das zeigt auch die aktuelle AK Studie: Rund 13.000 der insgesamt 85.000 Tiroler Schülerinnen und Schüler erhielten im laufenden Schuljahr oder in den letzten Sommerferien externe Nachhilfe, das entspricht einem Anteil von 15 Prozent. Bei 9.500 von ihnen wurde für Nachhilfe bezahlt (11 %). Gegenüber 2016 ergab sich zwar ein leichter Rückgang, allerdings nur auf den ersten Blick. Denn für die betroffenen Arbeitnehmerfamilien ist die finanzielle Belastung sogar gestiegen! „Die Studie belegt aber auch, dass schulische Nachmittagsbetreuung und Förderunterricht dazu beitragen, dass der Nachhilfebedarf sinkt“, betont AK Präsident Erwin Zangerl. „Das bestätigt unsere langjährigen Forderungen nach einem entsprechenden Ausbau dieser Angebote. Denn nur so kann sicherge-stellt werden, dass der Zugang zur Bildung allen Jungen offen steht.“

15 Prozent, also rund 13.000 der 85.000 Tiroler Schülerinnen und Schüler erhielten im laufenden Schuljahr oder in den letzten Sommerferien Nachhilfe. Heißt nichts anderes, als dass immer noch fast jeder 7. zusätzlich zum Unterricht Unterstützung beim Lernen bekommt, weitere 4 Prozent können sie sich nicht leisten. Insgesamt kostete der Nachhilfeunterricht für ihre Kinder Tiroler Eltern heuer 6,4 Millionen Euro. – Soweit das Ergebnis der aktuellen AK Studie „Nachhilfe in Tirol 2017“, für die im März und April 2017 in Tirol 400 Haushalte mit insgesamt 689 Schülern befragt wurden.

„Damit ist der Anteil jener, die externe Nachhilfe erhalten, gegenüber den 16 Prozent vom Vorjahr zwar leicht gesunken“, erläutert AK Präsident Erwin Zangerl. „Andererseits sind aber die durchschnittlichen Kosten pro Schulkind für die betroffenen Familien gestiegen.“ Für Nachhilfe während des Schuljahres 2016/17 mussten sie im Schnitt 680 Euro zahlen (2015/16: 620 Euro).

Die AK Tirol beobachtet die Entwicklung seit 2008. Die jährlichen Erhebungen seit 2010 zeigen nun aber auch deutlich, dass sich schulische Nachmittagsbetreuung und Förderunterricht positiv auf die Lernerfolge auswirken und der Nachhilfebedarf dadurch sinkt. „Damit bestätigen die Studienergebnisse ganz klar unsere langjährigen Forderungen nach dem Ausbau dieser Angebote. Sie verhelfen Schülern zu Erfolgserlebnissen statt Enttäuschungen und ersparen den Familien Stress, Ärger und zusätzliche Kosten.“

Zahlen & Fakten aus der Studie „Nachhilfe in Tirol 2017“

  • Externe Nachmittagsbetreuung in Tirol
    16 % der Tiroler Schülerinnen und Schüler besuchen eine externe Nachmittagsbetreuung, meist im Rahmen einer schulischen Betreuung. Damit liegt Tirol noch immer deutlich unter dem Bundesschnitt von 24 %.

Allerdings sind die Eltern damit durchaus zufrieden: In der Studie vergaben sie die Durchschnittsnote 1,7. Bei zwei Dritteln der Schüler mit externer Nachmittagsbetreuung sagen die Eltern, dass dort so vertiefend geübt wird, dass so gut wie keine zusätzliche Nachhilfe mehr nötig ist.

  • Förderunterricht
    3 von 10 Tiroler Schülern besuchen eine Schule, an der regelmäßiger Förderunterricht angeboten wird. Für knapp ein Viertel wird er zumindest gelegentlich ermöglicht.

Wiederum zwei Drittel jener Kinder und Jugendlichen, an deren Schulen es Förderunterricht gibt, nehmen daran zumindest hin und wieder teil. Die Eltern sind überwiegend mit der Qualität zufrieden, sie vergaben die Durchschnittsnote 2,0.

  • Positive Auswirkungen von externer Nachmittagsbetreuung und Förderunterricht
    Laut Erhebung erhalten 12 % der Schüler ohne Nachmittagsbetreuung bezahlte Nachhilfe. Ganz anders stellt sich die Situation bei jenen dar, die von schulischen Angeboten profitieren:
    Von jenen Tiroler Schülern, die regelmäßig den Förderunterricht nutzen können, brauchten nur 7 % eine bezahlte Nachhilfe.
    Von jenen, die eine externe Nachmittagsbetreuung wie Hortbetreuung oder im Rahmen einer Ganztagsschule besuchen, erhalten nur 6 % bezahlte Nachhilfe, bei Schülern mit anderer schulischer Nachmittagsbetreuung ist der Anteil mit nur 2 % noch niedriger.
  • Wenn Eltern beim Lernen helfen müssen
    Noch immer braucht ein Viertel der Tiroler Schüler fast täglich eine Lernaufsicht. Knapp ein Fünftel braucht sie zwei bis drei Mal pro Woche. Und das betrifft nicht nur Volksschulkinder, sondern auch Schüler von Neuer Mittelschule und AHS-Unterstufe.
    Erstmals wurde auch erhoben, wer im Haushalt mit den Kindern lernt: In 86 % der Fälle war es die Mutter.

Das bleibt nicht ohne Probleme:
Bei mehr als jedem dritten Schulkind fühlen sich die Eltern fachlich überfordert: Bei einem Viertel der Schüler gaben die Eltern an, dass es für sie generell schwierig ist, bei Hausaufgaben und beim Lernen zu helfen, und bei 13 % trifft dies immer noch bei gewissen Fächern zu.

Hinzu kommt, dass 37 % der Eltern dadurch zeitlich „sehr“ oder „ziemlich belastet“ sind, ein weiteres Drittel fühlt sich immer noch „etwas belastet“.

3 von 10 Eltern, die beim Lernen helfen, leiden unter dem Stress, der dadurch in der Familie entsteht. Zwei Drittel bestätigten, dass dies zumindest gelegentlich zu Frustrationen führt.

Ein Viertel fühlt sich durch die dadurch entstehenden Konflikte relativ stark belastet. Mehr als der Hälfte der betroffenen Eltern machen sie zumindest gelegentlich zu schaffen.

  • Externe Nachhilfe
    15 % der insgesamt rund 85.000 Tiroler Schülerinnen und Schüler erhielten im laufenden Schuljahr oder in den letzten Sommerferien externe Nachhilfe
    ; zumeist handelte es sich dabei um bezahlte Nachhilfe (11 %).
    4 % erhielten unbezahlte Nachhilfe.
    Damit hat sich die Quote gegenüber der letzten Erhebung leicht verringert, sie liegt weiter etwas unter dem österreichweiten Durchschnitt.

Allerdings bräuchten insgesamt sogar 19 % der Schüler Nachhilfe, also rund 16.500 Kinder und Jugendliche. (2016 hatten dies die Eltern noch für rund 18.000 Schüler angegeben.) Sie war aber z. B. häufig aus Kostengründen kein Thema.

Und auch heuer zeigte sich: Nachhilfe wird nicht etwa gebraucht, weil die Eltern der betroffenen Kinder zu wenig mit ihnen üben würden. Tatsächlich ist das zeitliche Engagement der Eltern von Kindern, die Nachhilfe bekommen, etwa ebenso groß wie bei Schülern ohne externe Nachhilfe.

Nachhilfe nach Schulformen

Nur an den Volksschulen liegt der Anteil der Kinder, die bezahlte Nachhilfe bekommen, mit 3 % im einstelligen Bereich.
In der Neuen Mittelschule erhalten 12 % der Schüler bezahlte Nachhilfe, in der AHS-Unterstufe 14 %. Mit 27 % am höchsten ist der Anteil in der AHS-Oberstufe. Außerdem steigt der Anteil auch mit der Schulstufe an.

Unbezahlte Nachhilfe gibt es mit 8 % vor allem für Schüler der Neuen Mittelschule, bei anderen Schulformen liegt der Anteil zwischen 2 und 4 %.

Die Fächer: Mathematik, Fremdsprachen, Deutsch
Was die Unterrichtsfächer mit dem meisten Nachhilfebedarf anlangt, liegt Tirol im Österreich-Trend:
6 von 10 Schülern brauchen sie in Mathematik,
4 von 10 Schülern in einer Fremdsprache und
ein Viertel in Deutsch.

Institute und Lehrer geben Nachhilfeunterricht

Am häufigsten wandten sich Eltern (42 %) an Nachhilfeinstitute, 35 % engagierten Lehrerinnen bzw. Lehrer (hier fand gegenüber 2016 eine Verschiebung von den Pädagogen hin zu den Nachhilfeinstituten statt). 22 % wandten sich dafür an Studenten.

Gründe für Nachhilfe

Die Hälfte der Tiroler Schüler erhielt Nachhilfe regelmäßig während des Schuljahres, 4 von 10 nahmen sie eher gezielt vor Schularbeiten und Tests.

Für 44 % der Schüler ging es darum, mit Nachhilfe eine Note zu verbessern, ohne dass sie unmittelbar vom Sitzenbleiben gefährdet gewesen wären.
Ein Drittel erhielt Nachhilfeunterricht, um eine Nachprüfung oder eine negative Note im Zeugnis zu verhindern.

Kosten – 6,4 Millionen in Tirol, 100 Millionen in Österreich

Die durchschnittlichen Gesamtkosten für externe Nachhilfe im laufenden Schuljahr und in den letzten Sommerferien lagen in Tirol pro Schüler bei 700 Euro, im Österreichschnitt bei 710 Euro.

Im laufenden Schuljahr erhielten rund 8.500 (10 %) Tiroler Schüler bezahlte Nachhilfe. Die Kosten dafür lagen bei durchschnittlich 680 Euro (im Vorjahr: 620 Euro).

Im letzten Sommer wurden für rund 1.500 Schüler (2 %) Nachhilfe, Sprachferienkurse oder Lernkamps organisiert, dafür fielen pro Schüler im Schnitt Kosten von rund 450 Euro an. (Hier war der Anteil im Sommer zuvor noch doppelt so hoch).

Eine differenzierte Darstellung je nach Schultyp war nur auf Basis der österreichweiten Zahlen möglich:
Demnach zahlten Eltern mit 750 Euro im Schnitt für Nachhilfe in der Volksschule gleich viel wie in der AHS-Oberstufe. 740 Euro kostete sie in BMS, 700 Euro in BHS, 670 Euro in der AHS-Unterstufe und 660 Euro in der Neuen Mittelschule. Nur für „andere Schulformen“ war sie mit 950 Euro teurer!

Hochgerechnet müssen Österreichs Eltern für Nachhilfe rund 100 Millionen Euro ausgeben, auf Tirols Eltern entfallen davon rund 6,4 Millionen Euro (gegenüber 2016 bundesweit 104 Mio. und für Tirol 6,8 Mio. Euro).

Zusätzliche Ausgaben als finanzielle Belastung

In Summe sind zwar sowohl die Zahl der Schüler, die Nachhilfeunterricht erhielten, als auch die Ausgaben für bezahlte Nachhilfe zurückgegangen. Umgerechnet auf den einzelnen betroffenen Schüler mussten die Eltern aber im Schnitt höhere Kosten tragen.

Rund die Hälfte der betroffenen Eltern sagte, dass die Kosten für Nachhilfe eine „starke“ bzw. „spürbare finanzielle Belastung“ sind. Dies betrifft vor allem auch Haushalte mit geringerem Einkommen.

  • Maßnahmen für Schulerfolge ohne Nachhilfe
    Die AK Erhebung zeigt: Die Eltern wünschen sich strukturelle schulische Maßnahmen, mit denen der immer noch viel zu hohe Nachhilfebedarf und die damit verbundenen steigenden Kosten eingedämmt werden können.

Dazu zählen

  • mehr kostenlose Nachhilfeangebote an den Schulen,
  • ein Unterricht, der sich mehr am Verständnis der Schüler orientiert,
  • mehr individuelle Förderung und
  • mehr Zeit zum Üben des Lehrstoffes.


Für viele ist auch evident, dass dies nur unter der Voraussetzung einer entsprechenden schulischen Nachmittagsbetreuung gelingen kann. Drei Viertel der Eltern plädieren in diesem Zusammenhang generell für einen Ausbau des Förderunterreichts an den Schulen.

Zwei Drittel meinen, dass weniger Nachhilfe nötig wäre, wenn Eltern und Schüler vor dem Eintritt bzw. Übertritt in eine andere Schulform von den Lehrern besser über den jeweils passenden Schultyp beraten würden.
Daher engagiert sich die AK Tirol auch im Bereich der Berufsorientierung und unterstützt Schulen mit speziellem Unterrichtsmaterial, wie der Berufsorientierungsmappe „My future“.

Zur Studie

Das Institut für empirische Sozialforschung IFES führte im Auftrag der AK im März und im April 2017 telefonisch eine bundesweit repräsentative Befragung bei insgesamt 3.435 Haushalten mit 5.683 Schulkindern zum Thema „Nachhilfe“ durch. Für Tirol wurde die Stichprobe auf 400 Haushalte mit 689 Schülerinnen und Schülern aufgestockt, sodass auch diese Ergebnisse repräsentativ sind.

Wie schon 2016 erfolgte die Auswertung sowohl auf Basis der Schüler, als auch auf Basis der Haushalte.
Die Hochrechnung der Nachhilfequoten und der Kosten wurden wie im letzten Jahr auf Grundlage der Schüler durchgeführt. In den Jahren zuvor basierten die Auswertungen auf den betroffenen Haushalten, weil die Kosten nicht pro Schulkind, sondern pro Haushalt erhoben wurden.
Jene Fragen, die den Haushalt bzw. die Eltern betreffen, sind auch mit den Ergebnissen früherer Zeitreihen direkt vergleichbar. (Gegenüber 2016 ist anzumerken, dass die Hauptschule bundesweit praktisch ausgelaufen ist.)

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