Schulartikel © Romolo Tavani/Fotolia
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1.9.2021

AK Schulkostenstudie: Corona-Krise kommt Tiroler Eltern teuer zu stehen

Wenn es um eine erfolgreiche Schullaufbahn der Kinder geht, sollten Eltern vor allem über drei Dinge ausreichend verfügen können: Über Zeit, Bildung und Geld. Das ist ein zentrales Ergebnis der aktuellen AK Schulkostenstudie unter österreichweit rund 3.000 Eltern mit 4.300 Kindern (in Tirol nahmen 354 Eltern mit 533 Kindern teil). Die Studie zeigt auch, dass die COVID-Krise und der Lockdown an den Schulen die bestehende Schieflage noch deutlich verstärkt hat. Denn viele Familien gerieten nicht nur finanziell, sondern auch psychisch unter Druck.

Ein Schuljahr lang, von 1. September 2020 bis 10. Juli 2021, nahmen 354 Tiroler Eltern mit 533 Kindern ab 6 Jahren an der AK Schulkostenstudie teil. Nach der Auswertung durch SORA liegen jetzt die Ergebnisse vor.

Teures Schuljahr im Lockdown

Die letzte AK Schulkosten-Erhebung fand 2015/16 statt: Damals gaben Tiroler Eltern für den Schulbesuch pro Kind im Schnitt 730 Euro aus (österreichweit 855 Euro).

Im Corona-Schuljahr 2020/21 lagen die Ausgaben dramatisch über diesen Summen mit durchschnittlich 1.233 Euro pro Kind in Tirol und österreichweit 1.468 Euro.
Insgesamt gaben Eltern für den Schulbesuch aller ihrer Kinder durchschnittlich 1.794 Euro in Tirol aus (2.132 Euro österreichweit).

Schulkosten reduzieren Haushaltseinkommen

Im Schnitt gaben die Familien 8 % ihres Jahreshaushaltseinkommens für den Schulbesuch aus. Allerdings fällt die Belastung unterschiedlich stark aus: Tiroler Haushalte mit einem Einkommen von monatlich mehr als 3.750 Euro müssen nur 4 % für Schulkosten aufwenden, liegt das Einkommen bei maximal 2.000 Euro, sind es 17 % - also mehr als das Vierfache. Somit macht der Schulkostenanteil in armutsgefährdeten Haushalten bzw. bei vielen alleinerziehenden Eltern mehr als ein Sechstel des Jahreseinkommens aus.

Das bedeutet: Wenn die durchschnittlichen Schulkosten im Schnitt pro Jahr bei 2.132 Euro (österreichweit) liegen, dann gibt ein Fünftel aller Familien in Österreich ein Monatshaushaltseinkommen für den Schulbesuch ihrer Kinder aus, 6 % müssen sogar zwei Monatshaushaltseinkommen dafür aufbringen.

Mehrfachbelastung im Lockdown

Auch wenn Schulen und Großeltern im November und Dezember – im Unterschied zum ersten Lockdown im Frühjahr 2020 – wieder häufiger als „Notfallbetreuung“ genutzt wurden, waren viele Eltern doch über Monate mit der Betreuung ihrer Kinder auf sich gestellt. Während aber vor allem Akademikerinnen und Akademiker (52 %) die Arbeit durch Homeoffice ins eigene Zuhause verlegen konnten, mussten z. B. Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Beschäftigte in sogenannten „systemrelevanten“ Berufen weiterhin an den üblichen Arbeitsplatz. Eltern in Produktionsberufen (52 %), im Gesundheits- und Sozialwesen (48 %) oder im Handel (47 %) taten sich am schwersten damit, die Betreuung ihrer Kinder sicherzustellen.

Die alleinverantwortliche Kinderbetreuung führte bei Eltern, aber in erster Linie bei Müttern, zu einem hohen Stresserleben, und zwar unabhängig davon, ob jemand im Homeoffice war oder nicht. Knapp bis zu 70 % aller Eltern bezeichneten sich sowohl im Frühjahr 2020 als auch von Dezember 2020 bis Februar 2021 als sehr oder ziemlich gestresst. Denn zusätzlich zum digitalen Unterricht mussten sie auch als „Ersatz-Lehrperson“ fungieren.

Psychische Belastungen

Verunsicherung wegen drohender oder realer Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, Angst vor Ansteckung, Mehrfachbelastungen durch Arbeit, Haushalt und Kinderbetreuung und gestiegene Schulkosten, von deren Leistbarkeit die Zukunftschancen der Kinder abhängen: All diese Faktoren führten dazu, dass sich die psychische Gesundheit bei vielen Eltern und Kindern und auch deren Beziehung zueinander dramatisch verschlechtert hat. Im Oktober 2020 sagten 40 % der Tiroler Eltern, ihre eigene psychische Gesundheit habe sich im Vergleich zum Frühjahr verschlechtert. Im Februar 2021 gaben dies bereits 58 % aller Eltern an.
Ähnlich dramatisch die Entwicklung bei den Kindern, die zudem unter den Kontaktbeschränkungen litten.

Sonderauswertung

Dieser Entwicklung hätte man wohl auch begegnen können, denn schon in einer Sonderauswertung vom Oktober 2020 im Rahmen der AK Schulkostenstudie gaben Eltern an, dass sie bei ihren Kindern vermehrt Einsamkeit, Gereiztheit, Traurigkeit, Nervosität und Verängstigung beobachten, während Resilienzfaktoren wie z.B. Gelassenheit oder Glücklichsein zurückgingen.

Wenig verwunderlich ist deshalb auch eine gewisse Verärgerung. 52 % der Eltern gaben an, dass die Situation die Familie stark belastet hat und sie sich um die Zukunftschancen ihrer Kinder Sorgen machen (50 %). 74 % sind der Meinung, dass ihre Kinder im Corona-Schuljahr deutlich weniger gelernt haben, als in einem „normalen“ Schuljahr.

AK Forderungen

„Die Politik muss dafür Sorge tragen, dass der Schulerfolg und damit die Zukunft unserer Kinder nicht länger vom Haushaltsbudget abhängen“, betont AK Präsident Erwin Zangerl. „Weil Maßnahmen bisher auf sich warten ließen, wurde die Situation durch Corona noch verschärft.“

Deshalb fordert die AK Tirol

  • Schulen, in denen genug Zeit für Fragen, Lernen und Üben bleibt: eine kostenlose Ganztagsschule für jedes Kind in Wohnumgebung.
  • kostenlose Lernbegleitung für alle, die sie in Anspruch nehmen möchten – in Anlehnung an das tolle Projekt von AK, Land Tirol und BFI.
  • Bonuszahlung der Familienbeihilfe pro Schülerin bzw. Schüler.
  • Sonderzahlung für alle, die SchülerInnenbeihilfe beziehen, sowie eine weitere Erhöhung der SchülerInnenbeihilfe.

Mehr Details zur Studie finden Sie in der rechten Spalte!

Zur Studie
An der AK Schulkostenstudie beteiligten sich im Befragungszeitraum zwischen 1. September 2020 bis 10. Juli 2021 österreichweit 2.916 Eltern für 4.335 Kinder, davon in Tirol 354 Eltern mit 533 Kindern.
Die Angaben wurden vom Forschungsinstigut SORA ausgewertet.

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