Schüler ©  lassedesignen/stock.adobe.com
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3.6.2020

Studie: Schon jeder 3. Tiroler Schüler braucht Nachhilfe, das kostet 6 Mio. Euro

Der Nachhilfebedarf steigt weiter – auch wenn es bei „nur“ einem Viertel der Schülerinnen und Schüler darum geht, das Schuljahr positiv abzuschließen. Und hätte die Corona-Pandemie nicht Ausgeh- und Kontaktverbote nach sich gezogen, müssten die Tiroler Eltern heuer wieder mehr dafür zahlen. So aber lässt Corona die Kosten bei 6 Millionen Euro stagnieren. „Die aktuelle AK Studie führt aber auch eindringlich vor Augen, dass es eine Schulreform braucht sowie den Ausbau schulischer Betreuungs- und Förderangebote“, betont AK Präsident Zangerl.

Wie viele Kinder und Jugendliche haben Nachhilfebedarf und warum ist das so? Wieviel müssen Eltern für Nachhilfe ausgeben? Und wie könnte dem mit entsprechenden Angeboten an Schulen entgegengewirkt werden? – Fragen wie diesen geht die AK seit 2010 beim jährlichen Nachhilfe-Monitoring auf den Grund.

Doch die heurige Erhebung, für die IFES im Auftrag der AK Tirol von Ende Februar bis Mitte April 400 Eltern mit 618 Schülerinnen und Schülern kontaktiert hat, fand unter völlig veränderten Rahmenbedingungen statt: Die Corona-Pandemie stellte das Leben auf den Kopf – mit entsprechenden Auswirkungen. Homeschooling, Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen sorgten auch dafür, dass sich trotz gestiegenen Bedarfs die durchschnittlichen Ausgaben für Nachhilfe reduziert haben.

Und noch etwas wurde klar: Durch Homeschooling standen Eltern vor einer völlig neuen Herausforderung. Sie mussten, oft neben dem Homeoffice, ihre Schulkinder in weit höherem Maße als sonst schon bei ihren schulischen Aufgaben unterstützen. Dabei haben sich bei den Online-Aufgaben und -Tests nicht nur die Probleme der fachlichen Überforderung zugespitzt, sondern auch der Stress und die daraus resultierenden Konflikte innerhalb der Familien. Hinzu kam, dass viele Kinder auch keinen Laptop, PC oder Tablet für sich allein hatten, um damit zu Hause die Schulaufgaben zu erledigen. Von diesen Problemen waren wieder in besonderem Maße die unteren Bildungsschichten bzw. deren Kinder betroffen.

„Auch wenn der Zeitpunkt der Erhebung heuer zufällig mit der Ausnahmesituation durch Corona zusammentraf, so kristallisierten sich die Probleme noch verstärkt heraus“, so AK Präsident Erwin Zangerl. „Abhilfe können nur eine Schulreform bringen, etwa in Bezug auf das schon traditionelle Nachhilfefach Mathematik, und der weitere Ausbau schulischer Betreuungs- und Förderangebote. Sonst werden die Ausgaben für Nachhilfe wieder ansteigen, sobald die Schulen wieder zum Normalbetrieb zurückkehren.“

ZITIERT

„Die AK Tirol fordert eine Schulreform und den Ausbau der schulischen Betreuungs- und Förderangebote."

Erwin Zangerl,
AK Präsident

Details aus der Studie

24.000 Jugendliche erhielten Nachhilfe, um 7.000 mehr als im Vorjahr

3.000 der insgesamt 83.000 Tiroler Schülerinnen und Schüler haben in diesem Schuljahr oder in den Sommerferien davor bezahlte Nachhilfe erhalten – um 2.000 mehr als im letzten Jahr. Weitere 8.000 Jugendliche bekamen unbezahlte private Nachhilfe und weitere 6.000 (+ 3.500) schulische Gratisnachhilfe. Nach der Bereinigung von Schnittmengen beläuft sich die Zahl der Nachhilfe-Schüler auf rund 24.000 (+ 7.000 gegenüber dem Vorjahr).

32 Prozent bräuchten Nachhilfe, also jeder 3. Tiroler Schüler

Hinzu kommen noch 3.000 Schülerinnen und Schüler, deren Eltern sich bezahlte Nachhilfe gewünscht hätten, diese aber meist aus Kostengründen nicht möglich war.

Eltern zahlten 6 Mio. Euro, Corona erschwerte Zugang zu Nachhilfeunterricht

Mussten Eltern im Vorjahr im Schnitt pro Nachhilfeschüler noch 540 Euro bezahlen, so waren es heuer rund 460 Euro. „Dieser Rückgang resultiert in erster Linie aus den Folgen der Corona-Pandemie mit Kontaktverboten, Schulschließungen etc., die eine persönliche Nachhilfe ab Mitte März praktisch ausschlossen“, so die Studienautoren. Auch im Österreich-Schnitt sanken die Kosten – von 580 auf 520 Euro.

Trotz dieser Einschränkungen durch Corona stiegen die Gesamtausgaben in Tirol von 5,9 (2019) auf rund 6 Millionen Euro an, sonst wären sie noch höher ausgefallen.

Lernen daheim und Homeschooling als Belastung

Mit 22 % der Tiroler Schulkinder müssen die Eltern so gut wie täglich lernen, bei einem weiteren Drittel zumindest einmal wöchentlich – soweit die Angaben, bevor mit Corona Homeschooling und Homeoffice den Alltag in den Familien bestimmten. Zu diesem Zeitpunkt war es schon bei einem Viertel der Schüler für die Eltern schwierig zu helfen. Für 37 Prozent der Eltern bringt das Stress und Belastung.

Nach der Schulschließung führte die AK eine bundesweite Zusatzerhebung durch, zu diesem Zeitpunkt war der Anteil der Eltern, die von fachlichen Problemen beim Helfen berichteten, bundesweit schon auf 50 Prozent angestiegen.

Zwei Drittel der Nachhilfe in Mathe, in der Volksschule in Deutsch

Mathematik bereitet weiterhin am meisten Probleme: Zwei Drittel der Nachhilfe-Schüler (17.000) erhielten Unterstützung in diesem Fach, ein Drittel (7.500) in Deutsch, 22 % (6.000) in einer Fremdsprache.
Bei den Volksschulkindern wurde Nachhilfe in knapp zwei Dritteln der Fälle in Deutsch erteilt.

Hauptziel: Positive Noten verbessern

Bei 57 % der Nachhilfe-Schüler geht es jedoch darum, eine (meist) positive Note zu verbessern, und nur bei einem Viertel soll eine drohende Nachprüfung oder eine negative Zeugnisnote vermieden werden. 14 % bekamen Nachhilfe, um in die gewünschte Schulform wechseln zu können.
Volksschüler erhalten häufig Nachhilfe, um sie auf ein „Sehr gut“ zu bringen (bei sechs von zehn Deutsch-Nachhilfen steht das Kind zwischen 1 und 2).

Gute Erfahrungen mit Nachmittagsbetreuung und Förderunterricht

Ein Viertel der Tiroler Schüler besucht(e) eine externe Nachmittagsbetreuung. Damit sind sieben von zehn Eltern (sehr) zufrieden, die Durchschnittsnote beläuft sich auf 2,0.
Überdurchschnittlich zufrieden sind Eltern, deren Kinder eine Ganztagesschule besuchen (Durchschnittsnote 1,8) oder regelmäßigen Förderunterricht (Durchschnittsnote 1,7).

So wurde erhoben

Das IFES führte im Auftrag der AK von Ende Februar bis Mitte April 2020 eine bundesweit repräsentative CATI-/CAWI-Befragung bei 2.000 Eltern von Schulkindern zum Thema „Nachhilfe“ durch. Zusätzlich wurden Aufstockungsinterviews in Bundesländern gemacht. Damit umfasst die Stichprobe 3.563 Eltern-Haushalte mit 5390 Schulkindern. In Tirol wurde die Stichprobe im Auftrag der AK Tirol auf 400 Eltern mit insgesamt 618 Schüler/innen erhöht.

Bei der Auswertung erfolgte eine regionale Gewichtung der Ergebnisse auf Basis der Schülerstatistik 2018/19 der Statistik Austria, sodass diese wieder für ganz Österreich repräsentativ sind.
Die ganze Studie mit allen Details finden Sie rechts.

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Erwin Zangerl,
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