Bücherstapel vor einer Schultafel mit mathematischen Formeln © aboikis/stock.adobe.com
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Jeder 5. Tiroler Schüler erhält Nachhilfe, das kostet die Eltern 5,9 Millionen Euro

Es ist nicht nur die Angst vor dem Nachzipf, die Nachhilfe nötig macht, sondern auch der Druck, gute Noten zu schreiben, um in die gewünschte Schule wechseln zu dürfen. Und das beginnt schon bei den Jüngsten. Die aktuelle Nachhilfestudie 2019 der AK Tirol zeigt, mit welchen bildungspolitischen Maßnahmen die Familien unterstützt werden müssen: Mit kostenlosen schulischen Angeboten und mehr Zeit zum Üben im Unterricht, wie dies Eltern und AK fordern.

Und wieder ist der Anteil der Tiroler Schülerinnen und Schüler, die Nachhilfe erhalten, gestiegen!
Für 21 % bzw. 17.000 Schülerinnen und Schüler ­– und damit um 4 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr – musste im laufenden Schuljahr oder im letzten Sommer von den Eltern eine externe Lernhilfe organisiert werden:
Bei rund 11.000 Kindern und Jugendlichen mussten die Eltern dafür bezahlen, das waren 1.000 mehr als noch im Vorjahr,
rund 6.000 Schülerinnen und Schüler erhielten unbezahlte private Nachhilfe und
weitere 2.500 z. T. zusätzlich eine schulische Gratisnachhilfe (hier waren Mehrfachnennungen möglich).

Genaugenommen würde der Gesamtbedarf sogar bei 25 % bzw. 21.000 Schülerinnen und Schülern (+ 3.000 gegenüber dem Vorjahr) liegen: Denn für weitere 4.000 Kinder und Jugendliche würden sich die Eltern zwar Nachhilfe wünschen, können diese aber nicht realisieren.

Jeder 2. Nachhilfe-Schüler benötigte Hilfe in Mathematik (55 %), gefolgt von Fremdsprachen (33 %) und Deutsch (28 %).

Soweit einige wichtige Ergebnisse der aktuellen Nachhilfestudie, die das IFES Institut für Empirische Sozialforschung im Auftrag der AK Tirol durchgeführt hat.

ZITIERT

"Die Studie zeigt, mit welchen bildungspolitischen Maßnahmen die Situation rasch und nachhaltig verbessert werden kann.“

Erwin Zangerl,
AK Präsident

Kosten pro Schüler sanken von 620 auf 540 Euro

Die Studie zeigt aber auch einen – zumindest auf den ersten Blick – positiven Trend: So sanken die durchschnittlichen Ausgaben für Nachhilfe pro Kind in Tirol gegenüber dem Vorjahr von 620 auf 540 Euro und die tirolweiten Gesamtkosten von 6,2 auf 5,9 Millionen Euro.
Wie dies möglich ist, wo doch immer mehr Schüler Nachhilfe in Anspruch nehmen? Laut Studie vermutlich deshalb, weil pro Schüler immer weniger Stunden genommen werden.

Belastung für Familien mit niedrigem Einkommen

So gab die Hälfte jener Eltern, die für Nachhilfe zahlen mussten, im Interview an, dass sie dadurch stark bzw. spürbar finanziell belastet sind. Besonders betroffen sind natürlich Familien mit einem monatlichen Einkommen von maximal 2.000 Euro und Alleinerzieherinnen und Alleinerzieher.

Nachhilfe für Schulkarriere

Andererseits war aber auffallend, dass der Anstieg der Nachhilfe-Quote nicht nur darauf zurückzuführen ist, dass Kinder in Unterrichtsfächern durch schlechte Noten gefährdet sind, sondern dass mit Nachhilfe vielfach auch positive Noten noch weiter verbessert werden sollen, um die Schulkarriere des Kindes zu fördern. Und das betrifft insbesondere Volksschulkinder, die in allen Fächern die Note 1 bekommen sollten, um möglichst in die bevorzugte Schulform aufsteigen zu können.

Nachhilfe nach Schultypen

Nachhilfe – bezahlt, unbezahlt oder gratis – erhielten
10 % der Volksschulkinder
23 % der Schüler an Neuen Mittelschulen
28 % in der AHS-Unterstufe
39 % in der AHS-Oberstufe
11 % in Berufsbildenden Mittleren Schulen
28 % in Berufsbildenden Höheren Schulen

AK fordert Ausbau der kostenlosen Angebote an den Schulen

„Gleichzeitig zeigt die Studie auch, wie die Situation durch gezielte bildungspolitische Maßnahmen rasch und nachhaltig verbessert werden kann“, betont AK Präsident Erwin Zangerl. „Denn mit solchen Erhebungen befragt die AK Tirol regelmäßig jene, die es wissen müssen: die Eltern. Wissenschaftlich aufbereitet, liefern die Befragungen die aussagekräftige Basis für unsere Forderungen an die Politik:“

  • Auf Grundlage der bundesweiten Erhebung zeigt sich, dass private Nachhilfe v. a. über einen qualitativ hochwertigen Förderunterricht im Rahmen einer schulischen Nachmittagsbetreuung eingedämmt werden kann.
  • Wenn sich der Trend fortsetzt, dass Nachhilfe nicht nur engagiert wird, um den Aufstieg in die nächste Schulstufe oder den positiven Abschluss einer Schulform zu schaffen, sondern auch zur Verbesserung positiver Noten, dann wird der Nachhilfebedarf wohl auch weiter ansteigen. Dies umso mehr, als die diesbezüglichen Ambitionen der Eltern angesichts einer zunehmenden Konkurrenz auf dem Schul- und Arbeitsmarkt durchaus nachvollziehbar sind.
  • Mit dem Ausbau der schulischen Gratisnachhilfe eröffnen sich solche Möglichkeiten einer Lernunterstützung für diese Kinder.
  • Außerdem steigt auch bei jenen Eltern der Wunsch nach einer bezahlten Nachhilfe, die sich diese bislang nicht leisten oder aus unterschiedlichen Gründen nicht organisieren konnten.

Das könnte die Schule aus Sicht der Tiroler Eltern tun, um den Nachhilfebedarf zu senken:

  • 61 % der Eltern wünschen sich mehr kostenlose Nachhilfe an den Schulen,
  • 54 %, dass man sich in der Schule mehr Zeit zum Üben des Stoffes nehmen soll,
  • 51 % Klassenteilungen, um in kleineren Gruppen zu lernen,
  • 49 % schulische Nachmittagsbetreuung mit individueller Förderung,
  • 34 % generell mehr Förderunterricht an den Schulen,
  • 26 % bessere Beratung durch die Lehrer über den jeweils passenden Schultyp

Zur Studie

Für die aktuelle Studie „Nachhilfe in Tirol 2019" wurde vom IFES Institut für empirische Sozialforschung von Anfang März bis Ende April 2019 österreichweit eine repräsentative Befragung bei 2.000 Elternteilen von Schulkindern durchgeführt. Diese fand in Telefoninterviews und zu einem Viertel mittels Online-Interviews statt. In Tirol wurden 400 Haushalte mit 600 Schülerinnen und Schülern einbezogen. Das bundesweite AK Nachhilfe-Monitoring wird seit 2010 jährlich durchgeführt. Die Auswertung erfolgte auf Basis der Schülerinnen und Schüler und der Haushalte, die Hochrechnung Nachhilfekosten auf Grundlage der Schülerinnen und Schüler.


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"Die Studie zeigt, mit welchen bildungspolitischen Maßnahmen die Situation rasch und nachhaltig verbessert werden kann.“

Erwin Zangerl,
AK Präsident