13.5.2016
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AK Nachhilfemonitoring 2016: Tiroler Eltern zahlten im laufenden Schuljahr 6,8 Millionen Euro für Nachhilfe

Eltern müssen für den Schulerfolg ihrer Kinder tief in die Tasche greifen: Die aktuelle AK Studie zeigt, dass 16 % der Tiroler Schüler Nachhilfe erhielten, die Kosten lagen im Schnitt bei jeweils rund 630 Euro. „Die Ursachen müssen bekämpft werden“, fordert AK Präsident Zangerl.

Sie belegt nicht nur Jahr für Jahr, wie sehr die Kosten für Nachhilfe die Familien belasten. „Sie zeigt vor allem auch die Mängel im Bildungssystem auf, die dafür verantwortlich sind“, betont AK Präsident Erwin Zangerl. – Die Rede ist von der Nachhilfe-Studie, die die AK Tirol regelmäßig durchführen lässt. Jetzt, rechtzeitig vor Schulschluss, liegen die Ergebnisse des aktuellen Nachhilfemonitorings 2016 vor. Und sie knüpfen an jene der Vorjahre an.

Eckpunkte der Studie

  • 14 % der Tiroler Schüler haben eine externe Nachmittagsbetreuung, dabei handelt es sich meist um eine schulische Betreuungsvariante.
  • Ein Viertel benötigt fast täglich eine Lernaufsicht durch die Eltern, 16 % brauchen sie zumindest zwei bis drei Mal pro Woche. Und zwar nicht nur Volksschulkinder, sondern auch Schüler von Neuer Mittelschule und AHS-Unterstufe.
  • Insgesamt 16 % aller Tiroler Schüler, also rund 14.000 Kinder und Jugendliche, erhielten im laufenden Schuljahr oder in den letzten Sommerferien externe Nachhilfe. Bezahlte Nachhilfe hatten 12 %, also rund 11.000 Mädchen und Buben.
  • Der Bedarf wäre sogar noch größer: Aus Sicht der Eltern hätten 21 %, also jeder fünfte Schüler, Nachhilfe gebraucht, sie war aber z. B. wegen der Kosten oder fehlender Angebote nicht möglich.
  • In Tirol mussten ab den letzten Sommerferien für jeden betroffenen Schüler im Schnitt 630 Euro für externe Nachhilfe ausgegeben werden. Insgesamt investierten Tiroler Familien rund 6,8 Millionen Euro in den Nachhilfeunterricht.

„Auch wenn sich leichte Verbesserungen abzeichnen, müssen endlich umfassende Reformen für Bildungsgerechtigkeit sorgen“, so der AK Präsident. „Denn die Belastungen sind gerade für finanziell schlechter gestellte Familien immer noch groß. Und angesichts der niedrigen Löhne in Tirol bei hohen Lebenshaltungskosten können sich viele diese zusätzlichen Ausgaben gar nicht leisten.“ Zangerl: „Ziel muss sein, dass der Schulerfolg allein über den Schulbesuch möglich ist.“


Forderungen der AK Tirol

Folgende Maßnahmen können den immer noch viel zu hohen Nachhilfebedarf eindämmen:


  • Mehr kostenlose Nachhilfeangebote an den Schulen,
  • ein Unterricht, der sich noch mehr am Verständnis der Schüler orientiert und in dem auch mehr Zeit zum Üben des Lehrstoffes bleibt,
  • sowie mehr Förderunterricht und
  • mehr schulische Nachmittagsbetreuung.
  • Außerdem fordert die AK einen Ausbau des verschränkten Ganztagesunterrichts.
  • Ein besonderes Augenmerk sollte dem „Angstfach“ Mathematik gewidmet werden, denn hier wird Nachhilfe besonders oft nötig.
  • Zusätzlich sollten die problematischen Übergänge in der 4./5. und 8./9. Schulstufe entschärft werden: Hier ist der Leistungsdruck besonders stark, um in weiterführende Schulen aufgenommen zu werden.

Weitere Ergebnisse für Tirol


Mit der Nachmittagsbetreuung ist der Großteil der Tiroler Eltern, deren Kind eine solche nutzen kann, weitgehend zufrieden (Durchschnittsnote: 1,6).
Bei der Hälfte der Schüler, die sie besuchen, haben die Eltern den Eindruck, dass dort so vertiefend geübt wird, dass so gut wie keine zusätzliche Nachhilfe mehr nötig ist. Ein positiver Effekt zeigt sich vor allem dann, wenn an den Schulen ein regelmäßiger Förderunterricht angeboten wird.

Ein Drittel der Tiroler Schüler besucht eine Schule, an der es regelmäßigen Förderunterricht gibt. Für knapp drei von zehn Schulkindern wird ein solcher zumindest gelegentlich angeboten.
Rund zwei Drittel der Schüler, an deren Schule es einen Förderunterricht gibt, nehmen daran zumindest hin und wieder teil. Die Mehrzahl der Eltern ist mit der Qualität desselben zufrieden (Durchschnittsnote: 2,1).

Wenn Eltern ihren Kindern daheim beim Lernen helfen müssen, sorgt dies für vielfältige Probleme: Bei einem Viertel der Tiroler Schüler sagten die Eltern, dass dies für sie generell schwierig ist. Bei weiteren 9 % der Kinder trifft dies zumindest bei gewissen Fächern zu. In Summe sind somit die Eltern von jedem dritten Schulkind fachlich mehr oder weniger überfordert.
Ein Drittel der Tiroler Eltern gab an, dadurch zeitlich sehr oder ziemlich belastet zu sein. Ebenso viele fühlen sich etwas belastet.
Ein Viertel der Eltern leidet auch unter dem Stress, der daraus entsteht, dass schulische Aufgaben innerhalb der Familie erledigt werden müssen. In Summe bestätigten rund 6 von 10 Befragten, dass dies zumindest gelegentlich zu Frustrationen führt.
Ein Fünftel der Eltern fühlt sich durch damit einhergehende Konflikte und Ärgernisse in der Familie relativ stark belastet. Insgesamt macht dies rund der Hälfte der Eltern zumindest gelegentlich zu schaffen.

Nachhilfe ist vor allem in Mathematik nötig. 7 von 10 Schülern mit Nachhilfe erhielten sie in diesem Fach, ein Drittel von ihnen in einer Fremdsprache und ein Fünftel in Deutsch.

Pädagogen und Nachhilfe: Den Eltern von 9 % aller Tiroler Schüler wurde von Lehrern eine externe Nachhilfe nahegelegt (dies betraf knapp 8.000 Schüler).
Am häufigsten wird bezahlte Nachhilfe von Lehrern gegeben (42 %).
Je rund ein Fünftel der Schüler mit bezahlter Nachhhilfe erhält diese von einem Nachhilfe-Institut, von Studenten oder jemandem aus dem Bekanntenkreis.

Die Hälfte der Tiroler Schüler mit Nachhilfe bekommt diese regelmäßig während des ganzen Schuljahres, etwas mehr als 4 von 10 Schülern erhalten sie gezielt vor Schularbeiten und Tests. Bei jedem zweiten Schulkind, für das Nachhilfe engagiert wurde, ging es darum, die eine oder andere Note zu verbessern (ohne unmittelbare Gefahr des Sitzenbleibens). 4 von 10 bekamen die externe Unterstützung, um eine Nachprüfung bzw. um eine negative Zeugnisnote zu vermeiden.

Externe bzw. private Nachhilfe führt im Regelfall zum gewünschten Erfolg. In 7 von 10 Fällen wurde bei den betroffenen Tiroler Schülern das angestrebte Ziel bereits erreicht. Bei 11 % traf dies nicht zu. Bei den Übrigen zeigt sich dies erst gegen Ende des Schuljahres.

3 von 10 Tiroler Eltern, die für ihr Kind eine bezahlte Nachhilfe in Anspruch nehmen, sagten, dass sie dies sehr stark oder spürbar finanziell belastet.

Details zur Studie


Von Ende Februar bis Anfang April 2016  führte das „IFES – Institut für empirische Sozialforschung GmbH“ im Auftrag der Arbeiterkammer telefonisch eine bundesweit repräsentative Befragung bei Eltern von Schulkindern zum Thema „Nachhilfe“ durch. Insgesamt liegen Daten zu 3.141 Haushalten mit 5.432 Schülern vor. In Tirol wurde im Auftrag der AK Tirol die Stichprobe auf 400 Haushalte mit insgesamt 679 Schüler aufgestockt.

Erstmals wurden alle Ergebnisse und Kosten auf Basis der einzelnen Schüler erhoben. So konnten Gewichtung und Hochrechnung mit genauen Statistiken realisiert werden (Schüler-Zahlen nach Schulform und Bundesland der Statistik Austria; 2014/2015). Nur die Fragen zu den Belastungen der Haushalte erfolgten wie bisher auf Haushaltsebene.
Da in den Nachhilfemonitorings seit 2010 die Auswertungen auf Basis der Haushalte erfolgten, lassen sich die meisten Zeitreihen heuer nicht fortführen. Dies wird erst bei den nächsten Befragungen wieder möglich sein.

Sinn und Zweck des laufenden Nachhilfemonitorings ist es, aktuelle empirische Daten zum Tiroler Nachhilfemarkt zu haben, um das Ausmaß der Problematik und der jährlichen Gesamtkosten für die Eltern aufzuzeigen. Daraus können Maßnahmen zur nachhaltigen Verringerung der Belastungen abgeleitet werden.

Alle Details zum AK Nachhilfemonitoring 2016 finden Sie rechts oben.

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