15.06.2018
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Teurer Schulerfolg: Jeder 6. Tiroler Schüler erhält Nachhilfe, die Eltern zahlen dafür 6,2 Millionen Euro

Auf hohem Niveau haben sich die Zahlen rund um die Nachhilfe in Tirol eingependelt: Rund 10.000 der insgesamt 83.000 Tiroler Schüler erhielten seit Ende des letzten Schuljahres bezahlte Nachhilfe. Für 4.000 Jugendliche wurde Nachhilfe ohne Bezahlung organisiert, weitere 4.000 hätten zwar gern Nachhilfe gehabt, die aber für die Familien meist nicht leistbar war. Übrigens: Der meiste Bedarf besteht weiter bei Mathematik.

Schulerfolg ohne Nachhilfeunterricht? – Das ist für viele Familien kaum noch vorstellbar. So wurde im ablaufenden Schuljahr 2017/18 inkl. der vorangegangenen Sommerferien für 14.000 der insgesamt 83.000 Tiroler Schülerinnen und Schüler (16,9 %) Nachhilfeunterricht organisiert: Rund 10.000 (12 %) erhielten bezahlte, weitere 4.000 (4,82 %) erhielten unbezahlte Lernhilfe.

Ursache für diesen Anstieg von 15 % (2016/17) auf 16,9 % war laut Studienautoren offenbar die vermehrte Nutzung einer sogenannten „Gratisnachhilfe“, von der Eltern berichteten, und mit der sie vermutlich intensive schulische Förderkurse meinten, sowie die erstmalige Einbeziehung einer Online-Nachhilfe (2 %).

18.000 bräuchten Nachhilfe

Rechnet man jene 4.000 Schüler hinzu, die Unterstützung beim Lernen bräuchten, die aber zumeist für die Familien nicht leistbar war, so war Nachhilfe sogar für 18.000 Tiroler Jugendliche (21,7 %) notwendig. – Soweit die aktuelle Studie zur Nachhilfe in Tirol, die vom IFES-Institut im Auftrag der AK durchgeführt wurde.

Eltern zahlten im Schnitt 620 Euro pro Schüler

Im Schnitt gaben betroffene Eltern in Tirol pro Schüler 620 Euro für Nachhilfe aus (2016/17: 680 Euro), etwas weniger als im Österreichschnitt von 640 Euro. Tirolweit ergaben sich Kosten von 6,2 Millionen Euro, österreichweit von 94 Millionen Euro.

50 % der Tiroler Eltern, die für Nachhilfe zahlen, sind dadurch finanziell sehr bzw. spürbar belastet. Zu einem relativ hohen Anteil sind Familien betroffen, die sich dies von ihren finanziellen Ressourcen her am wenigsten leisten können.

Nach Schulformen zahlten die Eltern für Nachhilfe im laufenden Schuljahr sowie im letzten Sommer (im bundesweiten Schnitt): 600 Euro für Schüler von BMS, BHS oder Neuer Mittelschule, 630 Euro für Volksschüler, 660 Euro für Schüler der AHS-Unterstufe sowie 770 Euro für Schüler der AHS-Oberstufe.

Für eine bezahlte Nachhilfe wurden in Tirol in diesem Jahr zu etwas höheren Anteilen Studenten (27 %; +5 Prozentpunkte) engagiert. Zurückgegangen ist das zumeist teurere Engagement von Lehrern (28 %) und Lern-Instituten (24 %), Auch bundesweit gab es hier signifikante Verschiebungen in Richtung einer kostengünstigeren Nachhilfe.

10.000 Schüler erhalten Nachhilfe in Mathe

Nachhilfe ist unverändert vor allem in Mathematik nötig. Insgesamt erhielten in Tirol in diesem Schuljahr und im Sommer davor rund 10.000 Schüler Nachhilfe in Mathematik, rund 3.500 in einer Fremdsprache und rund 3.300 in Deutsch.

Von jenen, die Mathematik-Nachhilfe hatten, bekam jeweils rund ein Fünftel auch Nachhilfe in Deutsch oder in einer Fremdsprache. Und umgekehrt: Von jenen, die Deutsch-Nachhilfe erhielten, hatte jedes zweite Kind auch Nachhilfe in Mathematik. (Bundesweit ist dieses Verhältnis beinahe deckungsgleich.)

In Tirol hatten von Schülern mit Nachhilfe 70 % diese in nur einem Fach, 30 % in zwei oder mehr Fächern. Bundesweit sieht es praktisch gleich aus (69 versus 31 %).

AK Zangerl: „Politik ist gefordert“

„Dass der Schulunterricht immer noch einen so großen Nachhilfebedarf produziert, für den Eltern aufkommen müssen, ist für die AK nicht nachvollziehbar. Wir haben ein ganzes Bündel an Maßnahmen ausgearbeitet, mit denen die Situation kurzfristig und dennoch nachhaltig verbessert werden könnte“, betont AK Präsident Erwin Zangerl. „Die Wünsche und Vorschläge, die die Eltern im Rahmen der Studie aufzählten, bestärken uns nur noch darin! Jetzt wäre endlich die Politik mit der Umsetzung am Zug!“

Die Eltern wünschen sich

  • dass der Unterricht so gestaltet wird, dass die Schüler den Lehrstoff auch verstehen.
  • kostenlose Nachhilfeangebote an den Schulen (Gratisnachhilfe).
  • den Ausbau des Förderunterrichts, kleinere Lerngruppen und dass schon in der Schule mehr geübt wird.
  • einen Ausbau der schulischen Nachmittagsbetreuung mit individueller Förderung,
  • generell mehr Förderunterricht an den Schulen,
  • eine bessere Beratung seitens der Lehrer über die jeweils passende Schulform.
  • Die Hälfte der Eltern in Tirol spricht sich für den Ausbau der Ganztagsschulen aus. 

Weitere Studienergebnisse im Überblick

Externe Nachmittagsbetreuung

22 % der Schülerinnen und Schüler in Tirol haben in diesem Schuljahr eine externe Nachmittagsbetreuung (hier waren Mehrfachnennungen möglich):
je 7 % in Hort und schulischer Nachmittagsbetreuung,
4 % in der Ganztagsschule,
5 % in einer anderen externen Betreuung.
Gegenüber dem Vorjahr sind etwas mehr Kinder in einer Hortbetreuung. Tirol liegt damit aber nach wie vor unter dem bundesweiten Schnitt (28 %).

Mit der externen Nachmittagsbetreuung sind die meisten Eltern weitgehend zufrieden (Durchschnittsnote: 1,9).

Bei vier von zehn Schülern mit einer externen Nachmittagsbetreuung haben die Eltern den Eindruck, dass dort so vertiefend geübt wird, dass so gut wie keine zusätzliche Nachhilfe mehr nötig ist. Ein weiteres Viertel geht davon aus, dass sich dadurch der Nachhilfebedarf zumindest verringert. Im Vorjahr wurden diese Effekte in Tirol noch deutlich positiver eingeschätzt.

Förderunterricht

27 % der Tiroler Schüler sind in einer Schule, die laut ihren Eltern einen regelmäßigen Förderunterricht anbietet. Bei ebenso vielen gibt es einen solchen zumindest gelegentlich. Österreichweit lautet die Verteilung ähnlich.

Die Mehrzahl der betroffenen Tiroler Eltern ist mit dessen Qualität soweit zufrieden (Durchschnittsnote: 2,1).

Eltern helfen beim Lernen

Rund drei von zehn Tiroler Schulkindern benötigen fast täglich eine Lernaufsicht durch die Eltern. Bei insgesamt 44 % der Schüler ist dies zumindest zwei bis drei Mal in der Woche nötig. Der Unterstützungbedarf ist rezent angestiegen.

Bei einem Viertel der Schüler sagten die Eltern, dass es für sie fachlich schwierig ist, bei den Hausaufgaben und beim Lernen zu helfen. Bei weiteren 12 % ihrer Kinder trifft dies zumindest auf gewisse Fächer zu. Insgesamt sind die Eltern von gut jedem dritten Schulkind fachlich mehr oder weniger überfordert.

44 % der betroffenen Eltern gaben an, dadurch zeitlich sehr oder ziemlich belastet zu sein. Ein Drittel der Tiroler Eltern leidet spürbar unter dem Stress, der daraus entsteht, dass schulische Aufgaben innerhalb der Familie erledigt werden müssen. Ähnlich ist die Verteilung, was die mit dem Helfen und Beaufsichtigen verbundenen Konflikte und Ärgernisse innerhalb der Familie anlangt: Drei von zehn dieser Eltern fühlen sich dadurch relativ stark belastet. Das diesbezügliche Belastungsgefühl hat in Tirol zugenommen.

Internet & Apps

Ein Drittel der Tiroler Schüler nutzt laut Angaben der Eltern auch das Internet bzw. Lern-Apps am Computer oder Handy. Die meisten dieser Eltern halten diese Online-Lernhilfen auch für hilfreich (82 %).

Überraschend: Wie Eltern vom Nachhilfebedarf erfahren

11 % der Tiroler Schüler wurden durch eine Lehrkraft eine externe Nachhilfe nahegelegt. In nur drei von zehn Fällen hat die Lehrkraft dabei vorher den Kontakt zu den Eltern gesucht, um eine gemeinsame Lösung des Lernproblems zu finden. In fast jedem zweiten Fall wurde dieser Rat den Eltern nur mitgeteilt, bei einem Viertel war der Adressat das Schulkind.

Nachhilfe schon ab der Volksschule

Bundesweit gesehen, erhält bereits rund ein Fünftel der Volksschulkinder Nachhilfe (inklusive der schulischen Gratisnachhilfe, die vor allem in Deutsch nötig ist). Auch in Tirol hat die Nachhilfe an den Volksschulen zugenommen, wenngleich in einem moderateren Ausmaß (Nachhilfe: 11 %; bezahlte Nachhilfe: 7 %).

Die Hälfte der Tiroler Schüler mit Nachhilfe bekam diese regelmäßig während des Schuljahres (- 4 Prozentpunkte); vier von zehn benötigten eine solche vor Schularbeiten und Tests, weitere 10 % vor Entscheidungsprüfungen. Bundesweit ist der regelmäßige Nachhilfebedarf im ganzen Schuljahr noch deutlich stärker zurückgegangen (- 8 Prozentpunkte).

Für sechs von zehn Tiroler Schüler mit Nachhilfe ging bzw. geht es dabei darum, eine Note zu verbessern (+17 Prozentpunkte). Unverändert rund ein Drittel erhielt Nachhilfe, um eine Nachprüfung bzw. um eine negative Zeugnisnote zu vermeiden. Die Bedeutung einer ‚Notenverbesserung‘ nimmt auch bundesweit zu. Selbst bei Volksschulkindern mit Nachhilfe ist das in zwei Drittel der Fälle der Grund für eine externe Nachhilfe.

Zur Studie

Für die aktuelle Studie „Nachhilfe in Tirol 2018“ wurden vom Institut für empirische Sozialforschung IFES von Anfang März bis Ende April österreichweit eine repräsentative Befragung bei 2.000 Elternteilen von Schulkindern durchgeführt. Dafür wurden großteils Telefoninterviews durchgeführt, rund ein Viertel der Interviews wurde erstmals als Online-Interviews geführt. In Tirol wurden 400 Haushalte mit insgesamt 645 Schülerinnen und Schülern einbezogen.

Das bundesweite AK Nachhilfe-Monitoring wird seit 2010 jährlich durchgeführt. Die Auswertung erfolgte auf Basis der Schülerinnen und Schüler, ebenso die Hochrechnung der Kosten für Nachhilfe.

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