Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Bildungskarenz - Detailfragen

Was versteht man unter dem Begriff "Bildungskarenz"? 

Die Bildungskarenz soll Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die berufliche Aus- und Weiterbildung ermöglichen, ohne das bestehende Arbeitsverhältnis auflösen zu müssen. Mit Einverständnis des Arbeitgebers kann der Arbeitnehmer bzw. die Arbeitnehmerin sich für zwei Monate bis maximal zwölf Monate für Weiterbildungszwecke von der Arbeit gegen Entfall des Arbeitsentgeltes freistellen lassen. Die gesetzliche Grundlage für die Bildungskarenz ist im § 11 Arbeitsvertragsrechtsanpassungsgesetz (AVRAG) festgelegt oder in gleichartigen bundes- oder landesgesetzlichen Bestimmungen verankert. 

Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen, damit man Bildungskarenz in Anspruch nehmen kann? 

Bildungskarenz können jene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Anspruch nehmen, die ein halbes Jahr ununterbrochen beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt waren (bei Vertragsbediensteten muss ein 1-jähriges ununterbrochenes Arbeitsverhältnis vorliegen) und deren Arbeitgeber der Bildungskarenz zustimmen. Ohne Zustimmung des Arbeitgebers bzw. der Arbeitgeberin ist eine Bildungskarenz nicht möglich. Weiters müssen die Anspruchsvoraussetzungen auf Arbeitslosengeld erfüllt sein. Um schlussendlich auch Weiterbildungsgeld vom AMS zu erhalten, muss die wöchentliche Weiterbildung grundsätzlich 20 Stunden ausmachen.

Seit Jänner 2008 können auch Saisonbeschäftigte eine Bildungskarenz vereinbaren. Voraussetzungen in diesem Fall sind: direkt vor Antritt der Bildungskarenz müssen drei Monate durchgehende Beschäftigung an diesem Saisonarbeitsplatz vorliegen und es muss in den letzten 4 Jahren beim selben Arbeitgeber eine 6 monatige Beschäftigung nachgewiesen werden können. Ebenso ist das Einverständnis des Arbeitgebers erforderlich;

Auch Teilzeitbeschäftigte (über der Geringfügigkeitsgrenze) können Weiterbildungsgeld beantragen.

Was gilt für freie DienstnehmerInnen?

Die Bildungskarenz ist im § 11 Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz (AVRAG) geregelt. Dieses Gesetz gilt für Arbeitsverhältnisse, die auf einem privatrechtlichen Vertrag beruhen. Die Möglichkeit, Bildungskarenz gemäß § 11 AVRAG zu vereinbaren, steht demnach Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen im Sinne des Arbeitsvertragsrechts zu.
Bisher war freien DienstnehmerInnen der Zugang zum Weiterbildungsgeld vom Arbeitsmarktservice verwehrt, obwohl sie seit 1.1.2008 in die Arbeitslosenversicherung einbezogen sind und Beiträge leisten.

Das Höchstgericht befand nun, dass mit dieser Einschränkung das Recht auf Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz verletzt wird.
Anspruch auf Weiterbildungsgeld für freie DienstnehmerInnen besteht

  • wenn die notwendige Beschäftigungszeit für einen Arbeitslosengeldanspruch vorliegt;
  • nach mindestens sechsmonatiger Beschäftigung als (freie/r) DienstnehmerIn bei einem Arbeitgeber und Anspruch auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung;
  • wenn die Bildungskarenz im Ausmaß von mindestens zwei bis maximal 12 Monate vereinbart wurde;
  • wenn der Besuch einer Bildungsmaßnahme von 20 Wochenstunden (bzw. beim Bestehen von Betreuungspflichten für ein Kind bis zum vollendeten 7. Lebensjahr 16 Wochenstunden) nachgewiesen wird. 

Wie lang kann ich in Bildungskarenz gehen? 

Mit Einverständnis des Arbeitgebers können sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für mindestens 2 Monate bis maximal 12 Monate von der Arbeit gegen Entfall der Bezüge freistellen lassen. Die Bildungskarenz kann auch in Teilen vereinbart werden, ein Teil muss mindestens 2 Monate betragen, die Gesamtdauer der einzelnen Teile darf innerhalb eines Zeitrahmens von 4 Jahren maximal 12 Monaten dauern. Die Frist von 4 Jahren beginnt mit Antritt des ersten Teil der Bildungskarenz zu laufen. Die geteilte Bildungskarenz muss von Beginn an vereinbart werden. Eine nachträgliche Aufteilung ist nicht zulässig. 

Was ist, wenn die Ausbildung länger als ein Jahr dauert? 

Die Bildungskarenz kann für max. ein Jahr vereinbart werden. Bei längeren Ausbildungen, die über ein Jahr hinausgehen, ist ein Weiterbildungsgeld möglich, wenn der Arbeitgeber einer Karenzierung gegen Entfall des Arbeitsentgeltes zustimmt und der Arbeitgeber sich verpflichtet, eine Ersatzkraft einzustellen, die vorher im Arbeitslosengeld- oder Notstandshilfebezug stand. 

Welche Schritte sind am Beginn einer Bildungskarenz nötig?

Prüfen Sie, ob die Voraussetzungen prinzipiell erfüllt sind (Beschäftigungsdauer etc.) und klären Sie ab, welche Bildungsveranstaltungen sie machen möchten. Weiters ist zwischen Ihnen und dem Arbeitgeber eine schriftliche Vereinbarung zu treffen, in welcher der Arbeitgeber sein Einverständnis zur Bildungskarenz gibt und mit Ihnen die Dauer der Bildungskarenz vereinbart. Ohne diese Zustimmung des Arbeitgebers ist die Bildungskarenz nicht möglich. Spätestens bei Beginn der Bildungskarenz ist der Antrag auf Weiterbildungsgeld persönlich bei Ihrer regionalen AMS-Geschäftsstelle entsprechend ihres Wohnortes zu stellen. Dem Antrag sind unter anderem beizulegen: die unterschriebene Vereinbarung mit dem Arbeitgeber über die Bildungskarenz, Bestätigung der Weiterbildungsmaßnahme. 

Wie hoch ist das Weiterbildungsgeld?

Für die Zeit der Bildungskarenz wird Weiterbildungsgeld in der Höhe des Arbeitslosengeldes, mindestens jedoch in der Höhe des Kinderbetreuungsgeldes (€ 14,53 pro Tag, Stand 1.1.2017) ausbezahlt. Die Höhe Ihres Arbeitslosengeldes können Sie auf www.ams.at unter „Leistungsanspruch – Berechnung online“ errechnen lassen.

Wird das Weiterbildungsgeld versteuert?

Das Weiterbildungsgeld wird nicht voll versteuert, es wird gleich behandelt wie das Arbeitslosengeld. Es kommt zu keiner höheren Besteuerung im Vergleich dazu, wenn man das Weiterbildungsgeld als Einkommen bezogen hätte.

Bin ich während der Bildungskarenz versichert?

Sie sind während des Bezuges von Weiterbildungsgeld kranken- und unfallversichert, sowie unabhängig vom Alter pensionsversichert.

Wie viel Geld darf ich während der Bildungskarenz dazuverdienen?

In der Bildungskarenz darf beim Arbeitgeber, mit dem die Bildungskarenz vereinbart wurde, während des Bezuges von Weiterbildungsgeld eine geringfügige Beschäftigung (€ 425,70 monatlich, Stand 1.1.2017) aufgenommen werden, ohne dass das Weiterbildungsgeld gekürzt oder gestrichen wird. Ein Zuverdienst bis zur Geringfügigkeitsgrenze von monatlich € 425,70 ist auch bei einem anderen Arbeitgeber möglich. Auch Einkommen von selbstständiger Tätigkeiten zählen zum Zuverdienst (Berechnung: Selbständiges Jahreseinkommen - Jahresausgaben = Gewinn : 12 = der monatliche Zuverdienstbetrag erworben durch selbstständige Arbeit. Dieser Betrag wird berücksichtigt für die monatliche Zuverdienstgrenze von €  425,70). 

Muss ich durchgehend einen Kurs besuchen?

Die Dauer der Bildungsmaßnahme während der Bildungskarenz muss „im Wesentlichen“ der jeweiligen Dauer der Bildungskarenz entsprechen. Erforderliche und übliche Vorlaufzeiten zwischen dem Beginn der Bildungskarenz und dem Beginn der Bildungsmaßnahme sowie Unterbrechungen durch kursfreie Zeiten, die der Prüfungsvorbereitung dienen, beeinträchtigen den Anspruch auf Weiterbildungsgeld nicht.
Um die Mindeststundenanzahl von 20 bzw. 16 (im Fall von Kinderbetreuungspflichten für ein Kind unter 7 Jahren) Wochenstunden zu erfüllen, können auch Lern- und Übungszeiten berücksichtigt werden. Bei Besuch einer Fachhochschule, einer Universität, eines Kollegs oder eines vergleichbaren Ausbildungsganges wird im Regelfall eine ausreichende zeitliche Inanspruchnahme vorliegen.

Welche Bildungsmaßnahmen kann ich während der Bildungskarenz besuchen?

Derzeit prüft das Arbeitsmarktservice die Art der Bildungsmaßnahme nicht. Es werden sowohl Aus- als auch Weiterbildungsmaßnahmen mit "Weiterbildungsgeld" gefördert (z.B. Besuch der Abendschule, Studium am Zweiten Bildungsweg, EDV-Kurs u.a.). Auch Kurse im Ausland sind möglich. Eine vorherige Kontaktierung des AMS ist in jedem Fall ratsam.

Besteht während der Bildungskarenz Kündigungsschutz?

Während der Bildungskarenz besteht für ArbeitnehmerInnen kein Kündigungsschutz. Der/die ArbeitnehmerIn kann allerdings versuchen, mit dem Arbeitgeber eine schriftliche Kündigungsverzichtserklärung für diesen Zeitraum zu vereinbaren.

Wo bekomme ich das Antragsformular?

Sie erhalten das Antragsformular bei Ihrer zuständigen AMS-Stelle oder können ihn auch auf der AMS-Homepage herunterladen.

Wie muss die Zustimmung des Arbeitgebers erfolgen?

Die Zustimmung des Arbeitgebers muss durch eine schriftliche Vereinbarung mit dem Arbeitnehmer erfolgen, die dem Antrag der Bildungskarenz beigelegt werden muss.
Beachten Sie, die Vereinbarung muss mindestens beinhalten:
Name und Kontaktadresse des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers, der zeitliche Beginn und das Ende der Bildungskarenz, Datum und die Unterschrift beider Vertragspartner. Weitere Inhalte unterliegen der Vereinbarung zwischen dem Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber. Bei der Vereinbarung über die Bildungskarenz ist auf die Interessen des Arbeitnehmers und auf die Erfordernisse des Betriebes Rücksicht zu nehmen.

Studienbeihilfe und Bezug von Weiterbildungsgeld

Studienbeihilfe: Das Weiterbildungsgeld (in Höhe des Arbeitslosengeldes) zählt für die Studienbeihilfenbehörde als ganz normales Einkommen, da es einen Einkommensersatz darstellt. Maßgebend ist eine Einkommensgrenze von €  10.000,-.
Bei der Auszahlung des Weiterbildungsgeldes des AMS zählt ein etwaig erhaltenes Stipendium nicht als Einkommen, das Weiterbildungsgeld bleibt also vollkommen erhalten und wird nicht gekürzt.

Wo erhalte ich als AK-Mitglied Informationen über die Bildungskarenz? 

Bitte wenden Sie sich an die Bildungspolitische Abteilung der AK Tirol (kostenlose Tel.: 0800 225522 - 1515).
Im Falle von Spezialfragen aus dem Gebiet Arbeitsrecht, Sozialversicherungsrecht und Steuerrecht arbeiten wir mit den verschiedenen Rechtsabteilungen in der AK Tirol zusammen.

Bildungskarenz und Bildungsteilzeit

Seit 1. Juli gibt es Neuerungen bei der Bildungskarenz und ganz neu die Möglichkeit zur Bildungsteilzeit.

Lehre und Matura

Die Ein­führung der Be­rufs­rei­fe­prü­fung war ein wich­ti­ger Schritt zur Auf­wer­tung der Lehre.

Berufsbegleitend studieren

Hochschulstandorte in Tirol

TeilenZu Merkzettel hinzufügen

Facebook-Funktion aktivieren

Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Verwandte Links

Zum Seitenanfang
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
OK