10.10.2016
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Im Krankenstand einfach abgemeldet und per WhatsApp darüber informiert

Unfair: Nach einem Arbeitsunfall wurde der Abwäscher Walter von seinem Chef kurzerhand abgemeldet. Kein guter „Deal“, wie sich herausstellte.

Walter hatte ein befristetes Arbeitsverhältnis als Abwäscher für fünf Monate. Nach einem Arbeitsunfall wurde er für drei Wochen krankgeschrieben. Der Chef teilte ihm per WhatsApp mit, dass Walter abgemeldet werde und er sich nach Ende des Krankenstandes wieder im Betrieb melden solle. Er würde dann wieder angestellt. In der Zwischenzeit erhalte er ohnehin von der Gebietskrankenkasse Krankengeld. Walter kam das doch einigermaßen komisch vor. Er erkundigte sich bei den Experten der Arbeiterkammer Schwaz. Dort erfuhr er, dass eine einseitige Abmeldung ohne Zustimmung des Arbeitsnehmers gar nicht erfolgen darf. Würde Walter einer einvernehmlichen Auflösung zustimmen, bekäme er während des Krankenstandes keine Zahlungen vom Arbeitgeber. Die Höhe des Krankengeldes beträgt in etwa nur 50 Prozent der Zahlungen des Dienstgebers.

Walter verständigte sofort seinen Chef, dass er mit einer Abmeldung bzw. einer „einvernehmlichen“ Auflösung im Krankenstand nicht einverstanden ist. Mit Hilfe der AK Schwaz erreichte er die volle Weiterzahlung durch seinen Arbeitgeber. Jetzt ist Walter gesund und wieder mit vollem Einsatz tätig.

Achtung „Einvernehmlich“

Derartige Fälle kommen immer wieder vor. Und mehrfach hat die Arbeiterkammer Tirol bereits auf diese Unsitte so mancher Unternehmer hingewiesen. Oft schlagen Arbeitgeber den erkrankten Arbeitnehmern eine einvernehmliche Lösung während des Krankenstandes vor – zum Teil mit der Zusage, sie nach der Genesung wiedereinzustellen. Der Grund: Bei einvernehmlicher Auflösung muss der Arbeitgeber kein Entgelt mehr zahlen. Manche Arbeitgeber sehen darin die Chance, sich Geld zu ersparen und so mancher Beschäftigte nimmt die Abmeldung in Kauf, aus Angst vor einer Kündigung. 

Nachteile

Doch eine einvernehmliche Auflösung im Krankenstand hat schwerwiegende Folgen für die Betroffenen, aber auch für alle, die Sozialversicherungsbeiträge bezahlen. Denn anders als bei Kündigungen im Krankenstand erhalten die erkrankten Beschäftigten bei einer einvernehmlichen Auflösung des Arbeitsverhältnisses statt des Entgelts nur das Krankengeld der Krankenkasse. Das ist aber deutlich niedriger und wird überdies auch noch aus dem Topf der Gebietskrankenkasse, also aus den Beiträgen der Versichertengemeinschaft bezahlt. AK Präsident Erwin Zangerl: „Die derzeitige Regelung kostet die Versichertengemeinschaft jährlich Millionen Euro. Die Bundesregierung muss rasch eine Neuregelung umsetzen!“ Außerdem kann sich die Gebietskrankenkasse weigern, auf diese unzulässige Weise den Krankenstand zu finanzieren. Im schlimmsten Fall bekommen Betroffene dann gar kein Geld.

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