Kurzarbeit © HaDeVau, stock.adobe.com
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20.4.2021

Urlaub von der Kurzarbeit: Die Arbeitsrecht-Profis der AK Tirol informieren

Viele Beschäftigte in Kurzarbeit sind davon betroffen, dass sie Urlaub verbrauchen müssen oder sollen. Was gilt wirklich? Und warum heißt es immer, dass Alturlaube abgebaut werden sollen?

In der Corona-Krise hat sich gezeigt, wie wichtig die Kurzarbeit ist, um bei Betrieben mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die sich aber höchstwahrscheinlich wieder bessern, Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Die Alternative für die Beschäftigten wäre ja die Kündigung mit anschließender Arbeitslosigkeit. Um das zu vermeiden, erhält der Arbeitgeber auf Antrag vom Arbeitsmarktservice eine Kurzarbeitsbeihilfe für die ausgefallenen Arbeitsstunden. Dafür verpflichtet er sich mittels Vereinbarung mit dem Betriebsrat oder jedem einzelnen Arbeitnehmer, den Beschäftigtenstand zu halten und das Entgelt – wenn auch im verringerten Ausmaß – weiter zu bezahlen. Bei der Corona-Kurzarbeit ist das Entgelt übrigens deutlich höher, als bei einer sonstigen Kurzarbeit. 

Urlaubsverbrauch: Das gilt!

So viel vorweg: Gibt es keine Kurzarbeit, würde daher das Dienstverhältnis beendet und man arbeitslos. Der bei Beendigung des Dienstverhältnisses nicht verbrauchte Urlaub wird als Urlaubsersatzleistung ausbezahlt. Diese Urlaubsersatzleistung verlängert die Pflichtversicherung in der Sozialversicherung, und für diesen Zeitraum steht kein Arbeitslosengeld zu. Die Kurzarbeitsbeihilfe ist eine wichtige Alternative zum Arbeitslosengeld. Daher ist der nichtverbrauchte Urlaub bei beiden AMS-Geldleistungen von Bedeutung. Und daher stellt auch eine Voraussetzung für die Kurzarbeit dar, dass „Alturlaube tunlichst zu verbrauchen sind“. Seit der 3. Phase der Corona- Kurzarbeit (seit 1. Oktober 2020) ist noch eine Woche aus dem laufenden Urlaubsjahr hinzugekommen, die während der Kurzarbeit verbraucht werden soll. 

Was sind „Alturlaube“?

Als „Alturlaube“ bezeichnet man Resturlaube aus den Urlaubsvorjahren. Ein Urlaubsjahr beginnt grundsätzlich mit dem Eintrittsdatum: Mit dem Arbeitgeber kann auch das Kalenderjahr als Berechnungszeitraum vereinbart werden. Ein Beispiel: A hat am 1.4.2018 mit der Arbeit begonnen. Sein Urlaubsjahr gilt immer vom 1.4. bis 31.3. Am 1.4.2021 erhält A 25 neue Urlaubstage (bei 5-Tage-Woche). Aus dem Urlaubsvorjahr (also bis 31.3.2021) sind noch 10 Urlaubstage offen. Bei diesen 10 Urlaubstagen aus dem Vorjahr handelt es sich um so genannte „Alturlaube“, die „tunlichst“ abzubauen sind. Von den neuen 25 Arbeitstagen Urlaub, die er am 1.4.2021 für das laufende Urlaubsjahr erhalten hat, soll seit dem 1.10.2020 tunlichst eine weitere Woche, also 5 Arbeitstage konsumiert werden. 

100 % Entgelt pro Urlaubstag!

Stimmt der Arbeitnehmer einem Urlaubsverbrauch während der Kurzarbeit zu, hat dies einen bedeutenden Vorteil. Er erhält für den Urlaubstag 100 % seines Entgelts und nicht nur 80 % oder 90 %. 

Urlaubsverbrauch als Pflicht?

Während der Corona-Krise war es aufgrund einer Sonderregelung bis zum 31.12.2020 tatsächlich möglich, dass man über Anordnung des Arbeitgebers einen bestimmen Teil des Urlaubs verbrauchen musste: Alturlaube sowie laufende Urlaube mit maximal 2 Wochen; aber insgesamt inkl. Zeitausgleiche maximal 8 Wochen. 

Das gilt aktuell

Wie auch sonst üblich, ist jeder Urlaub zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu vereinbaren. Das gilt auch für Urlaube während einer Corona-Kurzarbeit, die „tunlichst“ zu verbrauchen sind. Rein rechtlich kann ein Arbeitnehmer zwar nicht zur Zustimmung zum Urlaubsverbrauch verpflichtet werden. Aber: Scheitert die Corona-Kurzarbeit an der Frage des Verbrauchs von Urlauben, dann droht die Arbeitslosigkeit mit einem geringeren Arbeitslosengeld in der Höhe von grundsätzlich 55 % des Nettolohnes. Außerdem steht für die Dauer einer ausbezahlten Urlaubsersatzleistung gar kein Arbeitslosengeld zu.

Bei Fragen helfen die Profis der AK Arbeitsrechtsabteilung unter 0800/22 55 22 – 1414 oder schicken Sie Ihre Frage per eMail an arbeitsrecht@ak-tirol.com

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