Baustelle © bannafarsai/stock.adobe.com
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21.9.2021

Bei der Arbeit kam Corona: Gilt dies als Berufskrankheit oder als Arbeitsunfall?

Ein Tiroler erkrankte im Ausland auf einer Großbaustelle an Corona. Eine Ansteckung im beruflichen Umfeld ist aus rechtlicher Sicht naheliegend. Daraus ergibt sich die Frage, ob es als Berufskrankheit oder als Arbeitsunfall gilt, wenn man sich bei seiner Arbeit mit Corona ansteckt. Die AK Tirol hat für einen Betroffenen Klage eingebracht.

Corona und die Auswirkungen der Pandemie betrafen praktisch alle Lebensbereiche. Das zeigte sich in den tausenden Anfragen in der AK Tirol.

So meldeten sich in der sozialrechtlichen Abteilung der AK Tirol gleich mehrere Betroffene, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben und bei denen die Infektion in Ausübung der Arbeit erfolgt sein muss. In einem Fall sogar im Ausland.

Daraus ergibt sich die Frage, ob Covid-19 grundsätzlich als Berufskrankheit oder allenfalls als Arbeitsunfall gewertet werden kann – und ob diese Infektion damit in die Zuständigkeit der staatlichen Unfallversicherungsträger fällt. Beides ist möglich. Ob die Voraussetzungen vorliegen, muss in jedem Einzelfall nach erfolgter Meldung von diesem geprüft werden.Vom Ergebnis hängt nicht nur ab, von wem die Kosten etwa für Spitalsaufenthalte, Krankentransporte oder Reha-Maßnahmen u.v.m. zu tragen sind, sondern auch, wer für finanzielle Ansprüche aufgrund der verbliebenen Folgen aufkommen muss.

In den der AK Tirol vorliegenden Fällen wurde die Infektion mit Covid-19 vom Unfallversicherungsträger weder als Berufskrankheit, noch als Arbeitsunfall anerkannt. Die Richtigkeit dieser Entscheidungen soll nun in mehreren Verfahren vor dem Sozialgericht geklärt werden, die AK Tirol hat dafür den Rechtsschutz übernommen.

Klage

So auch im Fall jenes Tirolers, der von einem international tätigen Unternehmen als Arbeitnehmer auf eine Großbaustelle ins Ausland entsandt wurde und dort im Auftrag seines Arbeitgebers tätig war.

Fakt ist

Der Beschäftigte erkrankte an Covid-19. „Und weil dies im Zuge seines Arbeitseinsatzes erfolgt sein muss, ist eine Ansteckung im beruflichen Umfeld aus rechtlicher Sicht mehr als naheliegend“, betont AK Präsident Erwin Zangerl

Infektionsrisiko

Dennoch ging der zuständige Versicherungsträger in diesem Fall davon aus, dass es sich nicht um eine Berufskrankheit handle. Denn seiner Meinung nach sei die Infizierung nicht in einem Unternehmen mit erhöhtem Infektionsrisiko im Vergleich zum Allgemeinrisiko erfolgt, nur dann wäre eine Anerkennung als Berufskrankheit zu rechtfertigen (mehr zur „Liste der Berufskrankheiten“ finden Sie unten).
Deshalb muss jetzt vom Landesgericht Innsbruck als Arbeits- und Sozialgericht geklärt werden, ob die ausgeübte Tätigkeit in den Bereich der Unternehmen mit erhöhtem Infektionsrisiko fällt. Ist dies nicht der Fall, muss geprüft werden, ob allenfalls ein Arbeitsunfall vorliegt. Zangerl: „Damit soll Klarheit geschaffen werden, nicht nur für diesen Betroffenen, sondern auch für viele weitere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, bei denen eine vergleichbare Situation vorliegt.“

Die AK Sozialrechtsprofis helfen unter 0800/22 55 22 – 1616 oder sozialpolitik@ak-tirol.com

Liste der Berufskrankheiten

In der „Liste der Berufskrankheiten“ werden alle Krankheiten angeführt, die im Sinne der Unfallversicherung als Berufskrankheit gelten, wenn sie „durch Ausübung der die Versicherung begründenden Beschäftigung“ in einem der angeführten Unternehmen verursacht wurden.

Insgesamt sind in der Liste 38 Berufskrankheiten und jeweils bestimmte Unternehmen angeführt. Unter dem letzten Punkt 38 werden alle in Frage kommenden Unternehmen aufgezählt, bei denen Infektionskrankheiten als Berufskrankheit gelten:

„Krankenhäuser, Heil- und Pflegeanstalten, Entbindungsheime und sonstige Anstalten, die Personen zur Kur und Pflege aufnehmen, öffentliche Apotheken, ferner Einrichtungen und Beschäftigungen in der öffentlichen und privaten Fürsorge, in Schulen, Kindergärten und Säuglingskrippen und im Gesundheitsdienst sowie in Laboratorien für wissenschaftliche und medizinische Untersuchungen und Versuche sowie in Justizanstalten und Hafträumen der Verwaltungsbehörden bzw. in Unternehmen, in denen eine vergleichbare Gefährdung besteht.“

Kontakt

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