13.3.2013
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Mobbing - Wegschauen bei Konflikten am Arbeitsplatz kann für den Arbeitgeber teuer werden

Arbeitgeber trifft im Falle von Mobbing die Fürsorgepflicht, welche den Arbeitnehmer effektiv vor Mobbing schützen soll. Werden zwar Gespräche geführt, die jedoch nichts an der Situation ändern, macht das den Arbeitgeber schadenersatzpflichtig! Das bloße Ankündigen professioneller Unterstützung z.B. in Form eines Mediationsverfahrens ohne konkrete tatsächliche Schritte ist zu wenig! Arbeitgeber müssen aufgrund ihrer Fürsorgepflicht Arbeitnehmer „umgehend“ vor Mobbing schützen – ansonsten droht dem Betrieb die Zahlung von Schadenersatz. Bei Konflikten einfach wegschauen oder abwarten bis sich alles von selbst löst oder eben auch nicht, kann zukünftig für den Arbeitgeber teuer werden.
Dies bestätigt ein aktuelles OGH Urteil von Ende November letzten Jahres.

Der Fall

Der Betroffene war seit 7 Jahren in einem Rehabilitationszentrum als Maschinenfahrer, Hausarbeiter und Portier beschäftigt. Er war anders als die anderen. Tranken seine Kollegen gerne einmal Alkohol während der Arbeit, war er strikter Antialkoholiker. Während die anderen feierten und Pause machten, arbeitete er durchgehend. Die letzten drei Jahre seines Arbeitsverhältnisses nahm er an keiner gemeinsamen Feier mehr teil, er wurde immer isolierter. Er fühlte sich von den anderen ausgeschlossen, Intrigen gegen ihn werden gesponnen, er wird grundlos beschimpft.

Nachdem Gespräche mit dem Betriebsratsvorsitzenden nichts an der Situation veränderten, schrieb er seinem Vorgesetzten ein Email, in welchem er ausführte, dass er „in keinem Betrieb solche Intrigen und hinterhältigen Aktionen erlebt habe“. Mittlerweile leidet er an massiven Schlafstörungen. Er bittet um eine Versetzung. Darauf findet ein Gespräch mit seinen Vorgesetzten statt, in welchem er auch den Alkoholkonsum der anderen zur Sprache bringt. Als diese später davon erfahren, wird er als „Arschloch“, „Schwein“ und „Kameradensau“ beschimpft. Die von ihm angestrebte Versetzung wird ihm nicht gewährt. Stattdessen werden vermehrt Alkoholkontrollen im Betrieb durchgeführt. Außerdem wird bei der Dienstplanung berücksichtigt, dass er mit seinen 3 Kontrahenten nicht zusammen arbeiten muss. Doch die Situation eskaliert weiter. Beschimpfungen sind auf der Tagesordnung. Daraufhin findet erneut am 7.11.2008 ein Gespräch in Anwesenheit aller am Konflikt Beteiligten und den Vorgesetzten statt. Doch die Situation ist mittlerweile so verfahren, dass der Vorgesetzte ankündigt, bei der nächsten Sitzung einen Mediator beizuziehen. Doch zu diesem Mediationsverfahren wird es nie kommen. Der Mann wird weiter von seinen Kollegen schikaniert. Anstelle ihn zu Silvester wie vereinbart als Portier abzulösen, erscheint die Ablöse nicht. Er muss die ganze Nacht durcharbeiten, sodass seine Frau ihm die Jause in die Arbeit bringen muss. Schließlich verstärken sich die Belastungsreaktionen beim Betroffenen, sodass er Anfang Jänner 2009 in den Krankenstand geht. Aufgrund von Krankenständen und Terminschwierigkeiten findet die Mediation nicht statt. Nach einem Jahr Krankenstand beendet der Mann sein Arbeitsverhältnis durch berechtigten vorzeitigen Austritt.

Im nun folgenden Prozess klagte er rund 7000 Euro von seinem ehemaligen Arbeitgeber ein. Darin enthalten waren unter anderem 5000 Euro Verdienstentgang, 1000 Euro Schmerzengeld sowie Arztkosten. Das Landesgericht und Oberlandesgericht Graz wiesen diese Klage ab und stellten fest, dass sich der Arbeitgeber stets korrekt verhalten habe.

Der OGH sah dies jedoch anders: Hatte sich der Arbeitgeber bis Anfang November 2011 korrekt verhalten, ist das bloße Ankündigen einer Mediation aufgrund der Brisanz der Lage nicht ausreichend und verletzt dadurch der Arbeitgeber seine Fürsorgepflicht. Daher erhalte der Arbeitnehmer Schadenersatz, falls er beweisen könne, dass seine Erkrankung auf die belastende Arbeitssituation bzw. Mobbing zurückzuführen sei. Dies müssen nunmehr die Unterinstanzen klären.

Was folgt nun daraus: Das Lösen von Konflikten am Arbeitsplatz gehört zu den wichtigsten Aufgaben von Führungskräften. Sieht sich eine Führungskraft in einem Unternehmen nicht in der Lage einen Konflikt in seinem Team zu lösen , muss der Arbeitgeber professionelle Unterstützung zur Verfügung stellen. Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang jedoch zu erwähnen, dass die Kultur in einem Unternehmen einen wesentlichen Einfluss darauf hat wie mit Konflikten umgegangen wird. Unternehmen haben sehr viel Möglichkeiten das Aufkommen von Konflikten zu reduzieren: Gut ausgebildete Führungskräfte mit hoher Sensibilität für das Geschehen in ihrem Team, welche regelmäßig in Austausch mit Ihren Mitarbeitern sind, eine Kultur des offen Ansprechens von Konflikten, klare Aufgabenverteilungen, klare Strukturen und Abläufe – all das sind Maßnahmen um Konflikte zu vermeiden und wenn sie auftreten mit ihnen konstruktiv umzugehen. Wegschauen bei Konflikten ist immer die schlechteste Verhaltensvariation!

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