Verkäuferin verpackt eingekaufte Geschenke © pressmaster/stock.adobe.com
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08.12.2020

Advent 2020: Das gilt heuer für die Beschäftigten im Handel

Bedingt durch den Lockdown vom 15. November bis 6. Dezember 2020, der auch den Handel in weiten Bereichen betroffen hat, sowie der weiterhin kritischen Lage durch die Covid-19-Pandemie und zur Entflechtung der Kundenströme wurde zwischen GPA und WK kurzfristig am 2. Dezember 2020 ein Sonderkollektivvertrag abgeschlossen, der ausdrücklich nur für dieses Jahr gilt und einmalig bleiben soll.

Lange Samstage, Überstunden und jetzt auch noch die enormen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie: Heuer ist die Zeit um Weihnachten gerade für Handels angestellte besonders schwierig. Umso wichtiger ist es, dass Sie bekommen, was Ihnen zusteht. Hier finden Sie alle wichtigen Infos:

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Arbeiten an den Samstagen vor Weihnachten

Was sagt das Gesetz?
An vier Samstagen vor dem 24. Dezember dürfen die Geschäfte bis 18 Uhr offenhalten: Das sind heuer der 28.11., 5.12., 12.12. und der 19.12.
Aufgrund der Covid-19 Sonderbestimmungen zu den Öffnungszeiten dürfen die Geschäfte am 12.12. und am 19.12. bis 19 Uhr offenhalten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen.
Die Regelung, dass jeder zweite Samstag frei sein muss, gilt nicht für diese Einkaufssamstage vor Weihnachten. Sie können also an allen vier Samstagen eingesetzt werden.
Für Lehrlinge unter 18 Jahren sind Überstunden verboten.

Wie viel ist Ihre Arbeit wert?
Wie viel Sie für die Arbeit an den Adventsamstagen bekommen müssen, hängt von Ihrer Arbeitszeiteinteilung an den übrigen Samstagen im Jahr ab:

  • Wenn Sie von Jänner bis November im Monat öfter als einen Samstag nach 13 Uhr gearbeitet haben, dann bekommen Sie an den vier Adventsamstagen ab 13 Uhr Überstunden mit 100 Prozent Zuschlag – egal, ob Sie vollzeit-, teilzeit- oder geringfügig beschäftigt sind oder ob sie grundsätzlich nur samstags arbeiten.
  • In allen anderen Fällen haben Sie Anspruch auf Überstundenzuschläge nur dann, wenn Sie entweder die für den Tag vereinbarte Normalarbeitszeit oder die wöchentliche Normalarbeitszeit überschritten haben.

Zeitausgleich statt Geld?
Wollen Sie für Ihre geleisteten Überstunden lieber Zeitausgleich nehmen, dann müssen Sie dies mit Ihrem Arbeitgeber im Vorhinein vereinbaren. Zwei Varianten stehen zur Auswahl:

  1. Sie nehmen sich für jede gearbeitete Stunde frei und lassen sich nur den Zuschlag auszahlen.
  2. Sie nehmen sich für jede gearbeitete Stunde im entsprechenden Verhältnis frei. Beispiel: Für eine 100prozentige Überstunde erhalten Sie zwei Stunden Freizeit.

Was gilt am Weihnachtstag und am Silvestertag?

Für den Weihnachts- und Silvestertag gibt es spezielle Regelungen: Am 24. Dezember endet die Normalarbeitszeit um 13 Uhr, am 31. Dezember um 17 Uhr. Ausnahmen gelten für den Verkauf von Christbäumen, Süßwaren und Naturblumen und am 31. Dezember zusätzlich für den Verkauf von Feuerwerkskörpern und Lebensmitteln.
Die ausgefallenen Stunden (wenn Sie sonst an diesen Tagen länger arbeiten würden) müssen entlohnt werden. 
Arbeiten Sie am 24.12. tatsächlich nach 13 Uhr bzw. am 31.12. nach 17 Uhr, dann sind dies Überstunden und auch als solche abzugelten.

Arbeiten am Sonntag

Die Arbeit an Sonntagen ist durch das Arbeitsruhegesetz grundsätzlich verboten. Der Sonntag ist daher auch rund um Weihnachten arbeitsfrei – bis auf ganz wenige Aus-nahmen (z.B. Bahnhofsgeschäfte).

Arbeiten am 8. Dezember

Was sagt das Gesetz?
Die Arbeit am 8. Dezember ist freiwillig, die Chefin/der Chef darf Sie dazu nicht zwingen.
Wenn Sie am 8. Dezember frei haben wollen, brauchen Sie keinen Grund dafür anzugeben.
Aufgrund der Ausnahmesituation der Covid-Krise musste Ihnen die Arbeitgeberin/der Arbeitgeber bis 4. Dezember Bescheid gegeben haben, ob das Geschäft am 8. Dezember geöffnet ist und ob Sie als Arbeitnehmerin/Arbeitnehmer eingesetzt werden sollen.
Unabhängig von dieser Sonderregelung und der kurzen Frist haben sie weiterhin das Recht die Beschäftigung am 8. Dezember abzulehnen.
Wegen der Weigerung, am 8. Dezember zu arbeiten, dürfen Sie nicht benachteiligt werden. Eine Kündigung aus diesem Grund kann vor Gericht angefochten werden.
Angestellte und Lehrlinge dürfen an diesem Tag zwischen 9 Uhr und 19 Uhr nur folgende Arbeiten leisten: Warenverkauf, Kundenberatung bzw. Kundenbedienung und Tätigkeiten, die damit in Zusammenhang stehen.
Vor 9 Uhr und nach 19 Uhr sind nur die unbedingt notwendigen Vor- und Abschlussarbeiten erlaubt.

Wie viel ist die Feiertagsarbeit wert?
Der 8. Dezember fällt heuer auf einen Dienstag. Es gilt die Feiertagsregelung.
Ihre Arbeitgeberin/Ihr Arbeitgeber muss Ihnen für den Feiertag das laufende Entgelt (Grundgehalt, Zulagen etc.) bezahlen – egal, ob Sie arbeiten oder nicht.
Aufgrund der Ausnahmesituation der Covid-Krise musste Ihnen die Arbeitgeberin/der Arbeitgeber bis 4. Dezember Bescheid gegeben haben, ob das Geschäft am 8. Dezember geöffnet ist und ob Sie als Arbeitnehmerin/Arbeitnehmer eingesetzt werden sollen.
Unabhängig von dieser Sonderregelung und der kurzen Frist haben sie weiterhin das Recht die Beschäftigung am 8. Dezember abzulehnen.
Arbeiten Sie auch sonst am Dienstag, dann wird die Arbeit zusätzlich zum Feiertagsentgelt mit dem Normalstundenlohn abgegolten.
Die Arbeitszeit von 18 bis 19 Uhr gilt aber ausnahmslos als Überstunde und ist mit einem Zuschlag von 100 Prozent abzugelten.
Für Vollzeitbeschäftigte gilt: Arbeiten Sie am 8. Dezember, obwohl Sie sonst am Dienstag frei haben, dann erhalten Sie zusätzlich zum Feiertagsentgelt Überstunden mit 100 Prozent Zuschlag.
Bei Lehrlingen gilt: Arbeitsleistungen am Feiertag sind auf Basis des niedrigsten Angestelltengehaltes zu berechnen.
Die Entlohnung für den Feiertag muss spätestens mit der Abrechnung zum 31. Jänner 2021 erfolgen.

Wird mir der verlorene Feiertag ersetzt?
Für die Arbeit am 8. Dezember steht Ihnen neben der Bezahlung des Feiertagsentgelts und der tatsächlich geleisteten Stunden auch noch Ersatzfreizeit zu – und zwar in folgendem Ausmaß:

  1. Arbeiten Sie bis zu fünf Stunden, bekommen Sie fünf Stunden Zeitausgleich.
  2. Arbeiten Sie mehr als fünf Stunden, bekommen Sie zehn Stunden Zeitausgleich.

Wann Sie sich diesen Zeitausgleich nehmen, müssen Sie sich mit der/dem Vorgesetzten ausmachen. Sie müssen ihn bis spätestens 31. März 2021 in Anspruch genomman haben.

Arbeitszeiten immer notieren

Die AK rät den Beschäftigten, alle Arbeitszeiten – somit die Beginn- und Endzeiten sowie die Pausen – am besten minutengenau und sofort schriftlich festzuhalten und sich diese idealerweise vom Vorgesetzten bestätigen zu lassen. Bei Überstundenarbeit soll bestenfalls auch der Grund angeführt werden. Auch, um die monatlichen Lohn- oder Gehaltsabrechnungen samt den Überstunden besser nachkontrollieren zu können.
Auf ak-tirol.com gibt es Arbeitszeitformulare als Download.

Wenn die Kassa nicht stimmt

Wenn die Kassa nicht stimmt, wird oft von Mitarbeitern verlangt, fehlendes Geld zu ersetzen. Aber zuerst muss der Arbeitgeber nachweisen, dass Geld fehlt, und wer den Fehlbetrag verursacht hat. Arbeiten mehrere an der Kassa, und kann dieser Nachweis nicht erbracht werden, darf die Summe nicht von allen anteilig gefordert werden. Selbst wenn das Manko zugeordnet werden kann, gibt es nach Dienstnehmerhaftpflichtgesetz Mäßigungsmöglichkeiten.

Die AK Arbeitsrechtsexpertinnen und Experten helfen unter Tel. 0800/22 55 22 – 1414.

Kontakt

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Das arbeitsrechtliche Team der AK Tirol ist für Sie da!

Persönliche Anliegen 

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Mi von 13 bis 17 Uhr

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Bitte beachten Sie, dass wir Ihnen per E-Mail nur eine erste Orientierung anbieten können.  

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