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16.12.2020

Tirol liegt bei den Einkommen immer noch weit hinten

Schon vor der Corona-Krise war die Einkommenssituation in Tirol schlecht, dabei würde ein „Einkommen zum Auskommen“ gerade jetzt spielentscheidend sein. Doch Tirol liegt im Vergleich zu anderen Bundesländern immer noch weit hinten. Die Corona-Krise wird die ohnehin schon angespannte Einkommenssituation in Tirol weiter verschärfen…

Leider war die Einkommenssituation in Tirol schon vor der Coronakrise zugespitzt, wie die Analyse der Lohnsteuerdaten der Statistik Austria für das Jahr 2019 zeigt. Tirol lag mit einem mittleren Einkommen von 27.312 € brutto im Jahr an vorletzter Stelle im Einkommensvergleich der Bundesländer. Der Abstand zum Einkommensschnitt in Österreich betrug 5 % oder ca. 1.400 € brutto im Jahr. Netto waren das über 900 € im Jahr.

Die Tiroler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hätten – bei Tiroler Einkommensverhältnissen – rund drei Wochen im Jahr länger arbeiten müssen, um auf den österreichischen Durchschnitt zu kommen.

Die höchsten Einkommen gab es in Niederösterreich mit 31.920 €. Das waren über 4.600 € brutto mehr als in Tirol.

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Worauf war das schlechte Abschneiden Tirols zurückzuführen?

Vor allem auf die niedrigen Einkommen der Frauen. Während die Männereinkommen in Tirol leicht über dem österreichischen Schnitt lagen, fielen die Fraueneinkommen deutlich zurück. Das mittlere Jahresbruttoeinkommen der weiblichen Beschäftigten machte 20.484 € aus und war damit um 9 % niedriger als der österreichische Schnitt (22.419 €). Die Tirolerinnen lagen damit abgeschlagen auf dem letzten Platz im Einkommensvergleich.

Unterschied bei Vollzeitarbeit

Eine wichtige Rolle spielte dabei die Frage, wie hoch der Anteil der ganzjährigen Vollzeitarbeit an der Gesamtbeschäftigung war. Gerade hier lag Tirol zurück. Im österreichischen Durchschnitt arbeiteten 51 % der Beschäftigten das ganze Jahr hindurch auf einer Vollzeitstelle. In Tirol lag dieser Anteil bei nur 47 %.
Und hier gab es große Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Während fast 62 % der Männer einer ganzjährigen Vollzeitbeschäftigung nachgingen, traf dies auf nur knapp 31 % der Frauen zu. Beide Werte waren im Österreich-Vergleich sehr niedrig.

Hinzu kam, dass der Beschäftigtenanteil im Wirtschaftsabschnitt I, der Beherbergung und Gastronomie umfasst, in Tirol fast doppelt so hoch war, wie im österreichischen Durchschnitt. In Tirol arbeiteten 14 % der Beschäftigten in diesen Kernbereichen des Tourismus, in Österreich waren es 8 %. Obwohl der Tiroler Tourismus im Vergleich zu den anderen Bundesländern gut bezahlte, rund 18 % über dem österreichischen Branchendurchschnitt, lag das Einkommensniveau in dieser Branche dennoch niedrig. Die Beschäftigten im Tourismus erreichten ein Jahresbruttoeinkommen von 14.541 €, das war um 47 % weniger als im Tirol-Schnitt!

Leider wird die Corona-Krise die Einkommenssituation in Tirol nochmals verschärfen. Denn gerade die in Tirol starke Tourismus- und Freizeitwirtschaft ist von Krisenfolgen besonders betroffen und in Tirol hängen viele Branchen eng mit dem Tourismus zusammen. Die Krise schlägt in Tirol auch stärker auf den Arbeitsmarkt durch, als in anderen Bundesländern. In den ersten sechs Monaten der Krise, lag die Arbeitslosigkeit in Tirol um 120 % höher, als im Vorjahr. Das wird auch in der Einkommensstatistik nicht ohne Folgen bleiben.

WEITERE DETAILS AUS DER ANALYSE

Tiroler Bezirke: Große Unterschiede innerhalb Tirols

Das höchste mittlere Einkommen wies der Bezirk Innsbruck-Land mit 30.069 € brutto im Jahr auf. Am niedrigsten lag der Einkommensschnitt in Landeck mit 23.543 € brutto. Der Unterschied zwischen diesen beiden Bezirken betrug also mehr als 25 % bzw. über 5.700 € brutto im Jahr.
Nur zwei Bezirke übertrafen den österreichischen Einkommensschnitt: Innsbruck-Land lag um 5 % darüber, Kufstein um 1 %. Am deutlichsten fielen Landeck und Kitzbühel ab. In Landeck fehlten 18 %, in Kitzbühel 13 %. In Euro lag die Fehlsumme in Landeck bei fast 5.200 € brutto im Jahr, in Kitzbühel bei 3.800 €.
Der höchste weibliche Einkommensschnitt wurde in der Landeshauptstadt Innsbruck mit 21.406 € brutto im Jahr erzielt. Bei den Männern lag der Umlandbezirk Innsbruck-Land voran (38.253 € brutto/Jahr).

Männer und Frauen: 12,8 Milliarden Erwerbseinkommen

Die Beschäftigten in Tirol erzielten im Jahr 2019 ein Erwerbseinkommen von insgesamt 12,8 Milliarden € brutto. 8,2 Milliarden € gingen dabei an männliche Beschäftigte, 4,6 Milliarden € an weibliche.
Die Männer erzielten fast zwei Drittel des Tiroler Gesamteinkommens. Der Hauptgrund für diesen Unterschied ist die weit verbreitete weibliche Teilzeitarbeit. 62 % der Männer gehen einer ganzjährigen Vollzeitarbeit nach, die Frauen aber nur zu 31 %. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber in erster Linie übernehmen nach wie vor Frauen einen Großteil der Betreuungsarbeit für Kinder oder auch pflegebedürftige Angehörige. Dadurch kommt es zu Unterbrechungen in der Berufslaufbahn und später oft zu einer geringerer Integration ins Erwerbsleben – mit Auswirkungen auf das laufende Einkommen und spätere Pensionsansprüche.

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