Geldscheine, Finanzamt © Fotolia
© Fotolia
18.1.2022

Das bringt das neue Steuerjahr 2022 für die Arbeitnehmerfamilien

Mit dem Jahreswechsel gibt es natürlich auch zum Steuerrecht einige Neuerungen zu vermelden, denn Ende letzten Jahres wurde von der Bundesregierung die ökosoziale Steuerreform beschlossen. Hier finden Sie die wichtigsten Infos, zusammengestellt von den Steuer-Profis der AK Tirol.

Neben zahlreichen Steuerbegünstigungen kommen im Steuerjahr 2022 auch zusätzliche finanzielle Belastungen auf die Steuerzahler:innen zu. Denn mit der CO2-Steuer wird nicht nur das Tanken an den Zapfsäulen teurer, auch die jährlichen Heizkosten werden dadurch spürbar ansteigen.

Senkung der 2. Tarifstufe

Bereits im Jahr 2020 wurde der Eingangssteuersatz für ein Jahreseinkommen von 12.000 € bis 18.000 € von 25 % auf 20 % gesenkt. In einem nächsten Schritt wird ab Jänner 2022 die 2. Tarifstufe (18.000 € bis 31.000 € Jahreseinkommen) gesenkt. Wurde das Einkommen in diesem Bereich bisher mit 35 % versteuert, so verringert sich dieser Steuersatz der 2. Tarifstufe ab heuer auf 32,5 %. Ab dem Jahr 2023 wird dieser dann sogar nur mehr 30 % betragen. Dieselbe stufenweise Senkung betrifft dann auch die 3. Tarifstufe (31.000 € bis 60.000 €), denn ab Jänner 2023 wird das Einkommen in dieser Stufe anstelle der bisherigen 42 % nur mit 41 % bzw. ab Jänner 2024 mit nur mehr 40 % versteuert.

Anhebung des SV-Bonus

Zur Entlastung der Niedrigverdiener war von der türkis-grünen Regierung ursprünglich eine Senkung der Krankenversicherungsbeiträge vorgesehen. Die AK Tirol sprach sich bereits in der Vergangenheit stets gegen eine solche Senkung aus, da eine Aushöhlung des Sozialsystems oder allgemeine Leistungskürzungen für die Versicherten zu befürchten wären. Zum Glück nahm die Regierung den Vorschlag der Arbeiterkammern auf und erhöhte stattdessen einfach den Sozialversicherungsbonus, der im Vergleich zur ursprünglich geplanten Maßnahme ohne jeglichen Mehraufwand automatisch über die Steuererklärung ausbezahlt wird. Somit wird der 2020 eingeführte SV-Bonus von bisher maximal 400 € auf 650 € erhöht. Gleichzeitig wird die Einschleifregelung auf ein Einkommen von 16.000 € bis 24.500 € ausgeweitet. Da die Auszahlung des SV-Bonus über die Steuererklärung erfolgt, schlägt sich diese Maßnahme allerdings erst zu Beginn des Jahres 2023 zu Buche.

 

Entlastungen für Familien

Ebenfalls wird der 2019 eingeführte Familienbonus Plus erhöht. Dieser beträgt derzeit 1.500 € pro Jahr für minderjährige Kinder, für über 18-jährige Kinder mit Anspruch auf die Familienbeihilfe gebührten bisher immerhin noch 500,16 €. Diese Beträge werden nun, jedoch erst ab Juli 2022, auf 2.000,16 € pro Jahr (166,68 € pro Monat) bzw. auf 650,16 € pro Jahr (54,18 € pro Monat) erhöht. Für Niedrigverdiener mit keiner oder einer nur sehr geringen Steuerlast wird zudem der Kindermehrbetrag von 250 € auf 450 € erhöht. Bisher stand der Kindermehrbetrag nur jenen Einkommensbeziehern mit Anspruch auf den Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag zu. Diese Anspruchsvoraussetzung entfällt ab heuer. Nach wie vor müssen jedoch an mindestens 30 Tagen im Kalenderjahr steuerpflichtige Einkünfte erzielt worden sein. Ausgeweitet wird der Anspruch hingegen auf jene Personen, die ganzjährig Leistungen nach dem Kinderbetreuungsgeldgesetz oder Pflegekarenzgeld bezogen haben.

 

Neue Sonderausgaben

Bis zur Steuererklärung 2020 konnten letztmalig Beiträge für private Zusatzversicherungen (z.B. Unfall- oder Krankenversicherung) sowie Kosten zur Wohnraumbeschaffung steuerlich geltend gemacht werden. In der Arbeitnehmerveranlagung 2021 ist dies allerdings nicht mehr möglich. Ab dem Jahr 2022 können im Sinne der Ökologisierung des Steuerrechts neue Sonderausgaben berücksichtigt werden. Ausgaben zur thermischen Sanierung werden in Zukunft aufgeteilt auf 5 Jahre im Gesamtausmaß von 4.000 € steuerlich abschreibbar, Ausgaben für den Ersatz eines fossilen Heizungssystems durch ein klimafreundliches Heizungssystem mit bis zu 2.000 € (z. B. der Einbau einer Wärmepumpe anstelle der alten Heizölanlage). So wie Spenden und Kirchenbeiträge werden diese Kosten direkt an das Finanzamt als Sonderausgaben übermittelt. Voraussetzung für die steuerliche Absetzbarkeit ist allerdings die Gewährung einer Bundesförderung für derartige Vorhaben.

Steuerfreie Gewinnbeteiligungen

Entlohnungen aufgrund von Gewinnbeteiligungen von Mitarbeitern am Unternehmen sind ab heuer bis zu einem Betrag von 3.000 € steuerfrei. Die Teilhabe am Erfolg des Unternehmens soll somit attraktiver gestaltet werden. Voraussetzung dafür ist ein tatsächlich erzielter Unternehmensgewinn, die Summe der steuerfrei ausbezahlten Gewinnbeteiligungen darf den Vorjahresgewinn allerdings nicht überschreiten. Die Steuerfreiheit kann zudem nur dann gewährt werden, wenn Gewinnbeteiligungen allen Arbeitnehmern oder bestimmten Gruppen von Arbeitnehmern gewährt werden (also z. B. allen Nachtschichtarbeitern). Außerdem darf die Gewinnbeteiligung nicht anstelle des bisher gezahlten Arbeitslohnes oder einer üblichen Lohnerhöhung geleistet werden.

 

CO2-Steuer und Klimabonus

Die im Vorfeld am meisten diskutierte Änderung aufgrund der Steuerreform ist die Bepreisung von klimaschädlichem Verhalten und der damit zusammenhängende Klimabonus. Ab Juli 2022 erhält in Österreich die Tonne CO2 einen Einstiegspreis von 30 €. In den darauffolgenden Jahren wird dieser Preis dann kontinuierlich angehoben, sodass im Jahr 2025 die Tonne bereits 55 € kosten soll. Konkret bedeutet dies, dass Diesel und Benzin ab dem heurigen Sommer um 8 bzw. 9 Cent teurer werden. Aber auch für unsere Öl-, Gas- und Stromheizungen werden wir in Zukunft tiefer in die Geldtasche greifen müssen.
Ausgeglichen werden diese Mehrkosten durch den sogenannten Klimabonus. Dieser richtet sich nach dem Hauptwohnsitz und unterliegt je nach Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz einer 4-stufigen Staffelung. In 
Innsbruck beispielsweise beträgt der Klimabonus sowie wie in allen anderen Landeshauptstädten pro Jahr 133 €. In ländlichen Regionen mit wenig ausgebauten Bus- oder Zugverbindungen beträgt der Klimabonus maximal 200 € pro Jahr. Nur die Wiener fallen mit 100 € pro Jahr in die geringste Stufe. Für Eltern mit minderjährigen Kindern gibt es sogar einen 50-prozentigen Zuschlag. Wie dieser Bonus beantragt und schlussendlich an alle Bürger ausgezahlt wird, muss von der Bundesregierung erst noch beschlossen werden.

 

Steuerfreier Corona-Bonus

Im ersten Jahr der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung beschlossen, dass alle Arbeitgeber ihren Dienstnehmern zur Abgeltung erschwerender Arbeitsbedingungen eine Prämie von bis zu 3.000 € vollkommen abgabenfrei ausbezahlen können. Diese Maßnahme war ursprünglich nur bis Ende des Jahres 2020 befristet. Eine Verlängerung dieser Maßnahme wurde von der Regierung nie verlautbart, somit mussten derartige freiwillige Corona-Bonuszahlungen für das Jahr 2021 auch voll versteuert werden. Erst kurz vor Jahreswechsel (am 30.12.2021) beschloss der Nationalrat quasi in einer Last-Minute-Aktion, dass derartige Bonuszahlungen, die bis Februar 2022 für das Kalenderjahr 2021 geleistet werden, ebenso bis 3.000 € steuerfrei sind.

 

Anhebung der GWG-Grenze

Sogenannte Geringwertige Wirtschaftsgüter konnten bisher bis zu einem Rechnungsbetrag von maximal 800 € einmal als Arbeitsmittel steuerlich geltend gemacht werden. Ein Privatanteil von 40 % ist vorher allerdings abzuziehen. Kostete ein beruflich benötigter Laptop zum Beispiel 600 €, so konnte man in der Steuererklärung 360 € (600 € minus 40 %) als Arbeitsmittel von der Lohnsteuer absetzen. Bei Anschaffungen von über 800 € musste man den Laptop auf 3 Jahre absetzen. Diese Grenze von 800 € wird ab dem Jahr 2023 auf 1.000 € angehoben.

Downloads

Kontakt

Kontakt

Persönliche Anliegen 

Mo - Fr von 8 bis 12 Uhr
Mo von 14 bis 16 Uhr und
Mi von 13 bis 17 Uhr

Telefonische Hilfe 

0800/22 55 22 - 1466

Mo - Do von 8 bis 12 Uhr und
von 14 bis 16 Uhr
Freitag von 8 bis 12 Uhr

E-Mail:
wirtschaftspolitik@ak-tirol.com

Bitte beachten Sie, dass wir Ihnen per E-Mail nur eine erste Orientierung anbieten können.