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Dialog von AK und ÖGB mit den Beschäftigten: „Wie soll die Arbeit in Zukunft gestaltet werden?“

„AK und ÖGB haben vor einigen Wochen begonnen, die Beschäftigten über ihre Meinung zur Arbeit und zur Arbeitswelt zu befragen. Die Anliegen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen wieder mehr Gehör in Staat und Politik finden“, verlangte AK Präsident Erwin Zangerl in seiner Rede bei der 173. Vollversammlung. Unter dem Motto „Wie soll Arbeit...“ können noch bis Ende Mai alle Beschäftigten mitmachen und aufzeigen, was ihnen in ihrer Arbeit wichtig ist und welche Rahmenbedingungen sie sich in Zukunft erwarten.

Zangerl: „Fest steht: Die Arbeit in Österreich verändert sich: die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bekommen einen immer kleineren Anteil am erwirtschafteten Wohlstand. Dazu kommt die Digitalisierung, die unsere Arbeit stark umkrempeln wird. Und auch die Bundesregierung plant einige Änderungen in der Arbeitswelt. Daher sollen sich die Hauptbetroffenen jetzt einbringen und sagen, was ihnen wichtig ist.“

Etwa zur Zukunft der Arbeitszeit, zum Kampf gegen Lohn- und Sozialdumping, zur Frage der weiteren Entwicklung unserer sozialen Sicherheit, aber auch zur Haltung zum gesetzlichen Pensionsalter, sowie zu den Chancen und Gefahren der Digitalisierung. Auch das Thema Wohnen wird abgefragt, das ja vor allem in Tirol ein Brennendes ist. Eine weitere Frage betrifft die immer noch in vielen Bereichen ungenügenden Einkommens- und Aufstiegschancen für Frauen.

Der AK Präsident appelliert an die AK Mitglieder, von dieser Mitsprachemöglichkeit Gebrauch zu machen: „Gemeinsam sind wir in Österreich mehr als 3,5 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und damit die größte Gruppe im Land, die sich jetzt gegenüber Staat und Regierung das entsprechende Gehör verschaffen kann.“

Zangerl: „Es gibt zahlreiche Themen, die jetzt auf den Tisch gelegt werden müssen. In einer Zeit, in der internationale Großkonzerne, Industrielobbys und Aktionäre immer mehr die Politik beeinflussen wollen, sind die Arbeitnehmer-Familien das stärkste Gewicht gegen Sozialabbau und Lohndumping. Gemeinsam haben wir es in der Hand, uns zu Wort zu melden und Stopp zu sagen. Immer schneller und immer länger arbeiten, immer billiger produzieren, und immer weniger vom erwirtschafteten Wohlstand zu bekommen, das ist ungerecht und spaltet unsere Gesellschaft.“

Der AK Präsident verlangt: „Die Arbeitnehmer-Familien sind die Leistungsträger. Sie finanzieren zum größten Teil unseren Staat. Es darf zu keinen weiteren Verschlechterungen bei der Arbeitszeit oder bei den Leistungen des Sozialstaats kommen.“ Dazu skizzierte Zangerl die wichtigsten Themen, mit denen sich die Arbeiterkammer derzeit beschäftigt und Verbesserungen vorschlägt:

Recht auf planbare Arbeitszeit.

Die Arbeitszeit soll noch stärker ausgedehnt werden. „Das fordern Industrie und Teile der Wirtschaft, und die Regierung folgt brav. Dafür gibt es möglicherweise keine oder seltener Zuschläge für Mehr- und Überstunden, die angesparte Zeit kann man sich irgendwann nehmen – wenn es dem Unternehmen passt und nicht dann, wenn man sich erschöpft fühlt oder einmal mehr Zeit für sich, die Familie, Freunde oder für Fortbildung will. Es gibt jetzt schon unzählige Möglichkeiten, die Arbeitszeit an die Bedürfnisse der Unternehmer anzupassen. Sollte die Regierung die Regelung der Arbeitszeit auf die Betriebe verlagern, wird das massiven Druck auf alle Mitarbeiter auslösen: Da reden die Chefs dann mit ihren Mitarbeitern Klartext. Wer wird hier dann wohl am längeren Ast sitzen? Die Angst vor einem möglichen Arbeitsplatzverlust wird viele verstummen lassen.

Hartz IV? Nicht in Österreich!

Derzeit sinkt die Arbeitslosigkeit und steigt die Beschäftigung. Doch diese Entwicklungen kommen nicht bei allen an. Besonders ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben nach wie vor starke Nachteile. Jetzt will die Regierung das soziale Netz von Arbeitslosengeld und Notstandshilfe aufreißen und die Notstandshilfe durch eine bedarfsorientierte Mindestsicherung ersetzen. „Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und nicht die Bekämpfung von arbeitslosen Menschen muss im Zentrum der Politik sein. Mehr Druck auf die Betroffenen löst nichts, vor allem Ältere erhalten von vielen Betrieben kaum Einstiegschancen. Wenn Menschen fast ihr ganzes Erspartes aufbrauchen müssen, bevor sie Mindestsicherung erhalten, ist das unsozial und menschenverachtend.

Arbeitslose nicht zusätzlich strafen.

Der Grund von Langzeitarbeitslosigkeit liegt häufig darin, dass Betriebe nicht bereit sind, ältere Arbeitsuchende einzustellen, die oft auch gesundheitlich beeinträchtigt sind. Wenn sich Arbeitnehmer-Familien ein Arbeitsleben lang ein bescheidenes Vermögen aufgebaut haben, ist es nicht akzeptabel, sie, ihre Kinder und Enkel mit dem Zugriff auf dieses Vermögen zu bestrafen. Arme besteuern und Reiche entlasten, das kann nicht der Weg für einen sozialen Ausgleich sein. Sollte es vereinzelt Missstände beim Arbeitslosengeld geben, gehören diese durch das AMS beseitigt, aber nicht eine ganze Gruppe unter Generalverdacht gestellt und bestraft.

Schluss mit Schmutzkonkurrenz.

Die Konkurrenz in manchen Branchen ist enorm, etwa am Bau oder im Gütertransport. Um zum Auftrag zu kommen, unterbieten sich die Firmen gegenseitig. Dabei sind alle legalen und illegalen Mittel recht. Dieser Preiskampf wird auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen. Auch die Firmen, die ihre Beschäftigten fair zahlen und korrekt anmelden, kommen unter Druck. Das setzt eine Spirale in Gang, die gestoppt und bekämpft gehört. Das Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort“ muss auch auf die Sozialversicherungsabgaben ausgeweitet werden. Die AK fordert zudem die personelle Aufstockung der Finanzpolizei, die Limitierung der Sub-Unternehmer-Ketten und den Ausschluss der Unternehmen von öffentlichen Förderungen, die sich nicht an Spielregeln halten.

Frauen verdienen ein Haus weniger.

Die Gehaltsschere in Österreich hat sich nur minimal geschlossen. In Sachen Einkommensgerechtigkeit liegen wir auf dem viertschlechtesten Platz im EU-Ranking, haben Experten errechnet. Frauen und ihren Familien entgehen durchschnittlich 900 Euro brutto pro Monat. Rechnet man den Unterschied auf ein durchschnittliches Erwerbsleben hoch, beträgt der Verlust stattliche 435.000 Euro. Es geht also um die Größenordnung eines Einfamilienhauses. Die Verluste setzen sich im Alter mit einer geringeren Pension noch fort. Es braucht Verbesserungen bei den Einkommensberichten, informativere Stelleninserate, mehr Kinderbetreuungsangebote, die Förderung junger Menschen, sich für den richtigen Beruf zu entscheiden und familienfreundliche Arbeitszeiten.

Digitalisierung politisch gestalten.

Digitaler Wandel ist kein Naturgesetz. Er muss politisch gestaltet werden – und zwar so, dass auch die Beschäftigten etwas davon haben. Dafür brauchen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine starke Interessenvertretung. Denn die Aus- und Weiterbildung für die Beschäftigten immer wichtiger. Darauf müssen wir uns einstellen. Die AK ist auf jeden Fall bereit, neue Möglichkeiten der Weiterbildung zu schaffen und auch zu finanzieren.

319.000 Beratungen, 47 Mio Euro für Beschäftigte

Die Bilanz für 2017 kann sich sehen lassen: 319.000 Beratungen in Innsbruck und den Bezirken, knapp 47 Millionen Euro für die Beschäftigten erkämpft.

Vom Aufschwung sollen alle etwas haben

AK Zangerl: Vom Wirtschaftsaufschwung sollen alle was haben. Arbeitnehmer wollen trotz neoliberaler Trends ihren fairen Anteil am Wohlstand!

Aktionen in Tirol

Unsere Initiative "Wie soll Arbeit?" von AK und ÖGB läuft auf Hochtouren. Wir sind im ganzen Land unterwegs. Redet mit!

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