AK Präsident Erwin Zangerl © AK/Friedle
© AK/Friedle

Zangerl: In Tirol werden Dialog und Zusammenarbeit geschätzt

Österreich ist durch das Zusammenwirken von Regierung und Sozialpartnern stark geworden. Es sollte in Wien endlich wieder eine vernünftige Politik des Miteinanders und des Dialogs einkehren. Wir in Tirol pflegen diese Tugend, sagt AK Präsident Erwin Zangerl.

TAZ: Herr Zangerl, Sie wurden einstimmig für weitere fünf Jahre zum Präsidenten der Arbeiterkammer Tirol gewählt. Sie erhielten dabei die Zustimmung aller Fraktionen. Ist das ein besonderer Vertrauensvorschuss? 
Zangerl: Ich sehe meine Aufgabe als AK Präsident darin, die Anliegen möglichst aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bestmöglich zu vertreten. Das bedingt aber auch, dass ich mit allen Fraktionen eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit gepflegt habe und auch weiterhin pflegen werde. Faktum ist, dass wir in der AK immer die sachpolitische vor die parteipolitische Arbeit gestellt haben. Das sollten wir auch weiterhin so halten. Die AK Mitglieder erwarten sich von ihren Vertretern einen kollegialen und respektvollen Umgang miteinander, damit die AK Tirol  bestmögliche interessenpolitische und serviceorientierte Leistungen für Tirols Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erbringen kann.

TAZ: Worin sehen Sie die besonderen Herausforderungen?
Zangerl: Land und Sozialpartner müssen gemeinsam einen Weg finden, die vorhandenen Mittel auch gerecht zu verteilen. Es soll in Tirol niemand allein gelassen oder sozial ausgegrenzt werden. Die Menschen brauchen soziale Sicherheit und wirtschaftliche Perspektiven. Es muss wieder möglich gemacht werden, dass sich Tirols Arbeitnehmer-Familien Eigentum schaffen können. Wir werden als größte Interessenvertretung weiterhin unsere Vorschläge für eine gute Zukunft am Arbeitsplatz, bei Leben und Wohnen einbringen und sind bereit, gemeinsam mit dem Land und den Sozialpartnern die richtigen Maßnahmen mitzutragen. Beim Thema Wohnen erwarten wir uns, dass die von der Landesregierung angekündigten Maßnahmen umgesetzt werden. Die Stichworte dazu lauten: soziale Wohnbau-Offensive, Bau eines Studenten Campus und Aktivierung von Bauland, notfalls auch mit Eingriffen.

TAZ: Wo orten Sie weitere offene Handlungsfelder?
Zangerl: Wir wollen gemeinsam mit den Gewerkschaften unseren Kampf gegen die durch nichts zu rechtfertigenden Einkommensunterschiede fortführen. Wir werden noch mehr Druck für die Gleichstellung von Mann und Frau machen, sowohl bei der Einkommensgerechtigkeit als auch bei den Aufstiegschancen. Diese Unterschiede sollten endlich überwunden werden. Es ist unfair, wenn Frauen heute immer noch bei gleichwertiger Arbeit um bis zu ein Drittel niedriger entlohnt werden als Männer. Es wird auch nötig sein, die Frage der Teilzeitarbeit offen zu diskutieren und zumindest Absicherungsmodelle für die drohende Pensionslücke der größtenteils weiblichen Beschäftigten zu finden.

TAZ: Mehr Bildungsgerechtigkeit, wäre das nicht auch ein Schlüssel zu höheren Einkommen? 
Zangerl: Absolut. Viel zu sehr hängt noch immer der Schulerfolg der Kinder von der Brieftasche der Eltern ab. Aber genau hier muss angesetzt werden, denn eine gute Berufsausbildung und die richtige Qualifikation dafür sind die besten Rezepte für höhere Einkommen der Beschäftigten und das beste Mittel gegen den so oft beklagten Facharbeitermangel. Denn: Geht es den Beschäftigten besser, geht es der Wirtschaft noch viel besser.

TAZ: Hat die AK mit ihrer Selbstverwaltung und der gesetzlichen Mitgliedschaft Zukunft? 
Zangerl: Mehr denn je hat die AK Zukunft. Wir stehen vor gewaltigen Herausforderungen und Umbrüchen, die auf unsere Beschäftigten zukommen. Das System der Selbstverwaltung der Gemeinden, Länder und Kammern ist die einzige Alternative zu schrankenlosem Zentralismus. Die AK Tirol bietet diesen Schutz. Die Menschen wissen, wie wichtig und hilfreich die Arbeiterkammer als eine solidarische Gemeinschaft aller ist. Wir müssen vor allem den jungen Menschen vor Augen führen, dass diese Einrichtung keine Selbstverständlichkeit ist. Für dieses Schutzhaus haben die Gewerkschaften und unsere Vorväter vor 100 Jahren hart gekämpft. Die gesetzliche Mitgliedschaft und der solidarische Beitrag aller AK Mitglieder, im Schnitt 7 Euro im Monat, sichert unsere Unabhängigkeit. Unser Auftrag heißt: Wir müssen besser und nicht billiger werden. In diesem Sinne werden wir unser Zukunftsprogramm als Extra-Leistung für die AK Mitglieder in den Bereichen Digitalisierung, Wohnen und Gesundheit in den nächsten Monaten konsequent umsetzen. Ich warne vor möglichen Überlegungen der Regierung, die AK Umlage zu kürzen, um die AK zu schwächen. Wir werden eine solche Vorgehensweise nicht akzeptieren und wissen die Mitglieder auf unserer Seite. Weniger Mittel heißt weniger Leistung, und das wollen die Menschen nicht.

TAZ: Ihr Wunsch an die Bundesregierung?
Zangerl: Allzu viel Porzellan ist leider schon zerschlagen worden. Die Menschen erwarten sich, dass unsere Politiker mit mehr Mut und Zuversicht ans Werk gehen, statt diffuse Ängste zu schüren. Die Arbeitnehmer-Familien wollen den Ausgleich, keine Konflikte. Sie wünschen sich, dass ihre Interessen wieder mehr berücksichtigt werden. Es geht um den Respekt gegenüber den Leistungen und um den gerechten Anteil der Arbeitnehmerschaft am erwirtschafteten Vermögen. Am dringendsten ist aber eine Rückkehr zu einer vernünftigen Politik des Dialogs und des Miteinanders. Österreich ist durch das Zusammenwirken von Regierung und Sozialpartnern stark geworden. Im Land Tirol pflegen wir diese Zusammenarbeit und suchen den Dialog. Wie wichtig dieses Zusammenwirken auf Bundesebene gerade jetzt wäre, zeigt sich an zahlreichen unausgegorenen Gesetzen, wie etwa zu AUVA, Sozialversicherung, 12-Stunden-Tag oder persönlichem Feiertag – die Liste wird stetig länger. Das alles wäre nicht nötig, nur weil die Regierung den gemeinsamen Verhandlungstisch verlassen hat und Muskeln zeigen will. Jetzt stünde eine vernünftige Steuersenkung an. Ich hoffe, dass wieder auf alle Gruppen gleich geschaut wird. Für die Arbeitnehmer-Familien sollte eine ordentliche Lohnsteuer-Senkung und die Abschaffung der kalten Progression endlich umgesetzt werden. Das wäre die beste Konjunkturbelebung für unser Land. Das hat die Lohnsteuer-Reform im Jahr 2016 gezeigt, die AK und ÖGB mit der damaligen Regierung so gelungen ausverhandelt haben. Denn eines ist fix: Die besten Maßnahmen sind immer gemeinsam getragene Reformen.

 

offen gesagt

„Geht es den Beschäftigten besser, dann geht es der Wirtschaft noch viel besser!“


Erwin Zangerl,
AK Präsident


Kontakt

Kontakt

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

E-Mail: presse@ak-tirol.com

Telefon: +43 800 22 55 22 1300
(Kostenlose Hotline )

Fax: +43 512 5340 1290

offen gesagt

„Geht es den Beschäftigten besser, dann geht es der Wirtschaft noch viel besser!“


Erwin Zangerl,
AK Präsident